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Spitzenpositionen

NiederösterreichIrgendetwas muß seit dem Jahreswechsel in der Luft liegen – in den letzten paar Wochen kracht und rumort es in Österreich wie schon lange nicht mehr. Die neueste Meldung kommt aus Niederösterreich: Erwin Pröll mag nimmer und tritt zurück. Und das nach 25 Jahren als Spitze im Land, wer hätte das gedacht! Natürlich steht die Nachfolgerin Mikl-Leitner schon Gewehr bei Fuß, na, eigentlich tut sie das eh schon seit sie aus Wien heimbeordert wurde und Mitterlehner verdammt alt ausgeschaut hat.

Apropos alt: Pröll meint, mit 71 Jahren hätte er das Pensionsalter lange genug hinausgezögert. In der Politik ist das zwar normalerweise kein Hindernis, aber wenn er das so sagt, dann wird’s schon stimmen. Natürlich hat Prölls Rücktritt nichts mit dem Bericht über siene landesfinanzierte Privatstiftung zu tun – auf solche Gedanken können bloß böse Kiebitzer kommen…

Wie dem auch sei, Prölls Rücktritt schlägt Wellen. Auch wenn Mikl-Leitner eher konservativ ist, ganz so unverrückbar stur wie Pröll kann sie gar nicht sein. Und obwohl er der Partei nicht völlig abhanden kommen wird, wird sein Einfluß auf die Bundespartei und -politik merkbar sinken. Dh. mit ein bißchen Glück und Fingerspitzengefühl könnte Mitterlehner die Partei zu seiner machen und ein paar längst nötige Veränderungen durchsetzen.

Genau das versucht gerade Michael Häupl in Wien. Immerhin auch schon seit 23 Jahren Bürgermeister, scheint er einen geordneten Rückzug vorzubereiten. Wenn er auch zum Silbernen Jubiläum aufhören möchte, dann hat er noch zwei Jahre Zeit dafür.

Den Kiebitzer freuen beide Abgänge – sowohl Pröll als auch Häupl haben das letzte Vierteljahrhundert in Österreich geprägt und mitbestimmt, aber schön langsam wird es Zeit für etwas Neues. Zwar heißt es “was Besseres kommt nicht nach”, aber der Kiebitzer als alter Optimist hält sich lieber an “die Hoffnung stirbt zuletzt”.

Bonzene Büsten…

TirolDaß der Ahnenkult in Tirol ziemlich ausgeprägt ist, ist ja nichts Neues und sollte eigentlich niemanden groß überraschen. Was sich aber die ÖVP diesbezüglich gerade geleistet hat – im wahrsten Sinne des Wortes – hat trotzdem über die Landesgrenzen hinaus Schockwellen ausgelöst.

Es geht um eine Bronzebüste des früheren Landeshauptmannes Eduard Wallnöfer. Gut, nachdem Wallnöfer anscheinend zu Lebzeiten recht beliebt war, kann man das durchaus machen. Ob das unbedingt 2,70 m überlebensgroß sein muß, darüber kann man streiten, das ist aber nicht wirklich der Punkt.

Bezahlt wird der Spaß von der Tiroler Landesgedächtnisstiftung, was sich grundsätzlich sehr passend anhört. Daß der Vorsitzende dieser Stiftung ausgerechnet Wallnöfers Schwiegersohn ist – naja, wenn der Beschluß von allen getragen wird, ist das auch gerade noch in Ordnung.

Ob es allerdings in Ordnung ist, dafür die stolze Summe von 130.000 EURO auszugeben, wird gerade in diversen Medien heftig diskutiert. 130.000 EURO für ein Denkmal auszugeben, wo gleichzeitig überall in Tirol eingespart werden muß und auch wird, ist schon ein starkes Stück. Kein Wunder, daß sich die Leute darüber aufregen. Noch dazu wo der Geldverschwendungs-Verantwortliche offensichtlich gerade nicht auffindbar ist – der sucht wahrscheinlich ein Paar größere cojones bevor er vor die Presse tritt.

Freundlicher Hinweis des Kiebitzers – auch ganz sicher umsonst: Bei der derzeitigen Stimmungslage im Land Österreich generell und auch im Land Tirol sollte man bis auf weiteres von derartigen Aktivitäten absehen. Das Volk hält im allgemeinen nämlich nicht viel von “Geld-aus-dem-Fenster-schmeiß” Aktionen. Es sei denn, das Volk hat gerade selber genug Kuchen…

Gutachter und Geschworene

SteiermarkDer Prozeß gegen den Amokfahrer von Graz ist zu Ende gegangen. Mit einem Urteil, das den Täter für zurechnungsfähig erklärt und zwar mit 8:0 Stimmen der Geschworenen. Der Prozeß als solches hat schon einigen Staub aufgewirbelt – verständlicherweise – und nach dem Urteil sind erst recht die Wogen hochgegangen.

Im Zuge der momentan grassierenden Experteritis wurde noch am Tag der Urteilsverkündung ein gewisser Herr Haller in die ZIB und um seinen Senf gebeten. Nachdem es sich hierbei um den psychiatrischen Gutachter der Verteidigung gehandelt hat (dessen Gutachten auf unzurechnungsfähig lautete), hätte man sich denken können was dabei herauskommt: Ein Rundumschlag gegen die Geschworenen, die als medizinische Laien über etwas komplexes wie (Un-) Zurechnungsfähigkeit aufgrund psychischer Krankheiten nicht zu urteilen hätten.

Den Einwurf, daß sich die Gutachter selber mit 2:1 (2:2 wenn man die Psychologin dazu zählt, aber der hat Haller ja auch die Befähigung abgesprochen), nicht einig waren, hat er weggewischt. Schließlich würde man, wenn sich Ärzte über eine Lungenentzündung streiten, ja auch keine 8 Deppen von der Straße holen um klar zu stellen wer jetzt recht hat. Das ist grundsätzlich richtig, aber dem Vorschlag, nur noch Gutachter bzw. einen einzelnen Richter (der im Normalfall auch nicht Medizin studiert hat) entscheiden zu lassen, kann der Kiebitzer nicht viel abgewinnen.

Erstens weil sich die Gutachter auch nicht einig sein müssen, und wieviele zieht man dann hinzu bzw. wann hört man damit auf – wenn das Ergebnis paßt? Und wem – der Verteidigung oder der Anklage? Und zweitens weil es in der Tat so ist, daß 8 Augenpaare mehr sehen als bloß ein oder zwei, und weil es wesentlich einfacher ist eine Einzelperson zu beeinflussen als 8 Leute, die sich halt irgendwie einigen müssen.

Mittlerweile wird in einigen Kreisen laut über eine Gesetzesänderung nachgedacht, weil das Geschworenensystem nicht mehr zeitgemäß sei. Was genau zeitgemäßer wäre hat sich noch nicht herauskristallisiert. Und daß die Richter in Österreich unabhängig sind ist zwar ein Fakt, sagt aber über deren Unbestechlichkeit rein gar nichts aus. Aber gut, ein gewisses Faible für Anlaßgesetzgebung ist ja relativ weit verbreitet.

Im Endeffekt entspricht das Urteil dem Gerechtigkeitsempfinden: Der Täter wird wahrscheinlich nie wieder frei herumlaufen dürfen. Ob er jetzt zurechnungsfähig ist oder nicht, macht da nicht viel Unterschied. Für den Kiebitzer zumindest, aber der ist ja auch nur ein Laie.

Diskriminierung in Kärnten

FPOEIn Kärnten gibt es zweisprachige Schulen in denen der Unterricht auf Deutsch und Slowenisch erfolgt. Das soetwas im Bundesland der Ortstafelversetzer überhaupt möglich ist, grenzt an ein Wunder, aber das ist eine andere Baustelle, die der Kiebitzer hier nicht wieder aufgraben möchte.

Auf alle Fälle sind jetzt an sechs dieser Schulen die Direktorenposten neu zu besetzen und die Ausschreibung besagt, daß zweisprachige Bewerber bevorzugt würden, was durchaus sinnvoll scheint. Aber, Herr Lobnig, stellvertretender Vorsitzender der Kärntner FPÖ, sieht das anders und steigt auf die Barrikaden. Von denen ruft er lautstark, daß es nicht anginge, daß einsprachige Bewerber diskriminiert würden. Die FPÖ Vizepräsidentin des Kärntner Landesschulrates setzt gleich nach mit der Bemerkung, daß zu einem modernen Führungsstil viel mehr als bloß Fremdsprachenkenntnisse gehören.

Der Kiebitzer pflichtet ihr da grundsätzlich bei, aber rein interessehalber würde er die Ausschreibung schon gerne sehen. Weil so wie die Heimatpartei das hinstellt, hört es sich an als hätten sie Angst, daß irgendein Straßenkehrer aus Klagenfurt das berufliche Upgrade seines Lebens bekommt, nur weil er in zwei Sprachen radebrechen kann anstatt in einer. Wenn man der FPÖ so zuhört ist die Ausschreibung offensichtlich ein Zweizeiler:

Zweisprachige BewerberInnen (Slowenisch, Deutsch) gesucht für leichte Bürotätigkeiten.
5 Tage Woche, ausschließlich vormittags, großzügige Urlaubsregelung.

Anscheinend ist weiter keine Rede von gewünschter Ausbildung, Erfahrung, Zusatzqualifikationen etc. wie das sonst üblich ist. Aber gut, wer weiß schon wie man in Kärnten an einen ordentlichen Job kommt.  Und vielleicht schließen die beiden obgenannten nur von sich auf andere, das soll schon einmal vorkommen.

Egal, das Beste hat sich der Kiebitzer für den Schluß aufgehoben. Der erwähnte Herr Lobnig sieht in der gegenwärtigen Ausschreibung nicht nur eine Diskriminierung, sondern auch eine “grobe Verletzung der Menschenrechte“.

Gut zu wissen. Was das heißen soll? Alles auf nach Kärnten – wo es ein Menschenrecht darstellt einen Job zu bekommen für den man nicht qualifiziert ist! Bleibt zu hoffen, daß die arme FPÖ mit dem Zuwandereransturm auch fertig wird…

Klassisch rechts

TirolSchön zu sehen, daß in Österreich wieder Ruhe eingekehrt ist. Nachdem die Flüchtlingskrise dank des Abkommens mit der Türkei jetzt aus den Tageszeitungen und -ordnungen verschwinden kann – und die Flüchtlinge selber hinter den Balkan, wo sie leichter zu ignorieren sind – hat man endlich wieder Zeit sich um die wichtigen Dinge im Lande zu kümmern. Zum Beispiel um die Frage ob Mörtel Lugner doch noch antreten darf. Um das drohende Heraufziehen des nächsten Song Contest. Und um Tiroler Werbefilmchen.

Es wurde nämlich bei der neuesten Angelobung der neuesten Tiroler Bürgermeister ein Imagefilm des Landes gezeigt, wahrscheinlich damit die auch alle wissen wofür sie ihren Kopf hinhalten müssen, im Notfall. Zu schönen Bildern gehört schöne Musik, hat man sich gedacht, und dafür eine Komposition von Franz Liszt herangezogen. Das wäre jetzt nicht weiter schlimm, hätten nicht vor so 80 Jahren die Nazis im Bezug auf ihre Rußlandpropagandafilme ähnliche Ideen gehabt.

Und schon haben sich genügend Empörte gefunden, die diese Mißstandsmücke zu einem Elefanten aufgeblasen haben, der dann im Porzellanladen der zuständigen Landesabteilung ordentlich Panik verbreitet hat. Soviel Panik, daß verlautet wurde man werde in Zukunft “..bei der Musikauswahl höchst sensibilisiert und achtsam vorgehen…”; wahrscheinlich heißt das man wird in Zukunft nur mehr Eigenkompositionen hören. Aus der gleichen Panik heraus wurde das Video sicherheitshalber auch gleich eingestampft.

Der Kiebitzer greift sich an den Kopf: Echt jetzt?

An die Landesregierung in Tirol: Es ist heutzutage technisch durchaus möglich, die Tonspur eines Videos auszutauschen ohne gleich ganz von vorne anfangen zu müssen. Passiert bei jedem James Bond Film der in Tirol ins Kino kommt. Und um das Geld das man sich bzw. dem Steuerzahler dabei gespart hätte, hätte man sich einiges an Rückgrat leisten können – das hätte die Steuerzahler, die das Ersatzvideo bezahlen dürfen, sicher langfristiger gefreut. Du liebe Güte – Fehler passieren halt.

An die Empörer vom Dienst: Könnten wir das mit dem Erwachsenwerden ein bissi vorantreiben, ja? Nach 80 Jahren sollte man wirklich schön langsam Abstand gewinnen. Oder sind Sie auch dafür Braunau zu schleifen und alle Schäferhunde einzuschläfern? Weil Adolf und so. Überhaupt wo Franz Liszt selbst über jeden Verdacht erhaben ist, weil der zur Zeit des 2. Weltkrieges schon 50 Jahre tot war. Und selbst wenn dem nicht so wäre, hieße das nicht unbedingt irgendwas – den Wagners hat deren größter Fan aller Zeiten ja auch nicht geschadet.

Immerhin, der Kiebitzer hat aus dieser Affäre etwas über die rechte Szene in Österreich gelernt. Er hat schon gewußt daß es die gibt, dafür braucht man sich ja nur die letzten Wahlergebnisse anschauen. Aber er hatte doch keine Ahnung was da auf einschlägigen Parties aus den Lautsprechern dudelt. Klassische Fanfarenklänge von Franz Liszt. Wer hätte das gedacht!

Feindliche Frauenbilder

VorarlbergIm Zuge der anhaltenden Flüchtlingskrise und ganz besonders nach den Vorfällen in Köln wird eingehend über das Frauenbild diskutiert, das alle Flüchtlinge aus den islamischen Staaten so mitbringen sollen. Von rückständigen patriarchischen Einstellungen ist da die Rede, die von “Frau an den Herd” bis hin zu Gewalt und Einschüchterung reichen.

Aber aber, keine Panik! Der Kiebitzer kann versichern, daß die Flüchtlinge keinen negativen Einfluß auf das hiesige Frauenbild haben werden, ganz im Gegenteil, sie werden sich hier wie zuhause fühlen. Wenn nicht überall, dann zumindest in Vorarlberg. Hier die Sachlage:

In der Gemeinde Egg war man auf der Suche nach einem neuen Bürgermeister. In der lokalen Bürgerliste, die 23 von 24 Sitzen im Gemeinderat inne hat, hat man sich schließlich auf die 35jährige Carmen Willi geeinigt. So weit so gut, bis Frau Willi schließlich einen Tag vor der Wahl das Handtuch geworfen hat.

Der Grund? Drohanrufe. Anonyme, selbstverständlich, weil Leute die soetwas machen sich dabei zwar gerne einen runterholen, aber für eine persönliche Meinungsäußerung nicht genug Eier haben. ‘Tschuldigung, aber bei so etwas geht dem Kiebitzer das G’impfte auf…

Zurück zum Thema: Der Grund für besagte Drohanrufe war anscheinend nicht die Tatsache, daß es sich um eine Kandidatin gehandelt hat, schließlich war der vorangegangene Bürgermeister von Egg auch eine Frau. Allerdings hatte die den Vorteil mit Mitte 50 längst über den Verdacht der kleinen Kinder erhaben gewesen zu sein, während Frau Willi gleich drei davon zuhause hat. Und als Mutter mit 3 kleinen Kindern hat man jeden Anspruch auf ein Berufsleben, insbesondere in einer Führungsposition, für die nächsten 20 Jahre aufzugeben, nicht?

Also für den Kiebitzer wäre das ein Pluspunkt. Jeder der einmal versucht hat mehrere Kinder auch nur einen Tag lang zu bespaßen weiß was man da können und vor allem aushalten muß. Da schupft man so eine kleine Gemeinde mit links.

Davon abgesehen lebt Frau Willi ja nicht in einem Vakuum; 3 Kinder materialisieren sich nicht einfach so, da war im allgemeinen immer noch ein Mann beteiligt. (Falls nicht: Vergessen Sie den Bürgermeister und gründen Sie eine neue Religion!) Und Männer haben im allgemeinen auch zwei Hände, universell einsetzbar zum Windeln wechseln, Lego bauen, Flascherl wärmen, Bilderbuch umblättern… Wenn der Herr Willi das macht oder sonst jemand sich dazu bereit erklärt (Kinderbetreuung gibts nicht in Vorarlberg?), dann ist das schon in Ordnung, weil wie diese Familie ihr Privatleben organisiert, geht keinen was an. Ja, wäre die Geschlechterkonstellation umgekehrt gewesen, Herr Willi könnte 30 kleine Kinder daheim herumwuseln haben und es würde keine Sau interessieren.

Aber vielleicht ist Vorarlberg ja anders. Vielleicht ist das ja einer der letzten Zufluchtsorte dieser speziellen Art der Maskulinität, deren Vertreter zwar mit Begeisterung und detailliertem Fachwissen Waschmaschinen, Geschirrspüler und Küchenherde reparieren können, aber sofort hilflos die Segel streichen wenn es um deren Bedienung geht. Das können eindeutig nur Frauen.

Soviel zum ach so modernen Frauenbild in Österreich. Zum Abschluß würde den Kiebitzer noch die Meinung der Drohanrufer zu den Flüchtlingen interessieren. Ablehnend, höchstwahrscheinlich. Verständlich, wer holt sich schon gerne Konkurrenz ins eigene Territorium…

Werte Kinder

ReligionEs gibt also in Wien islamische Kindergärten. Und davon sind jene in die Kritik geraten, die “die Entstehung von Parallelgesellschaften zumindest begünstigen”, sogar von islamistischer Radikalisierung ist die Rede. Jetzt herrscht natürlich die große Panik, es heißt daß man das ja auf gar keinen Fall zulassen darf, wo kämen wir denn da hin, und es muß mit unserem Integrationsminister gegipfelt werden und was weiß der Himmel.

Des Kiebitzers Kommentar dazu: “Islamischer Kindergarten – no, wos host glaubt?” Das hat jetzt nur bedingt etwas mit dem Islam zu tun, sondern generell mit Religion, deren Hauptaufgabe es schließlich ist, festzuschreiben daß die eigene Gruppe (unser “lieber” Gott und wir) besser dasteht als alle anderen Gruppen (und deren krause Ideen). Und das haben besonders jene Religionen gemeinsam, die in diesem ganz speziellen Stückerl Wüste gefunden bzw. erfunden wurden und die alle irgendwie das gleiche behaupten und dann doch wieder nicht. Der einzige Grund warum Christen- und Judentum (die betreiben ja auch Kindergärten) nicht gleichzeitig am Pranger stehen, ist die Tatsache, daß man diese weitgehend unter Kontrolle hat: Wenn sich heutzutage jemand öffentlich dazu bekennt an Jungfrauengeburt und ewige Verdammnis zu glauben, dann wird der im besten Fall ignoriert, im schlimmsten Fall ausgelacht werden, auch von solchen, die sich als Christen begreifen. Bis auf den Herrn Schönborn, der darf das noch – alten Männern muß man ihre Träume nicht mehr wegnehmen.

Und was macht man gegen religiöse Fanatiker? Naja, mit Wertekursen für die Kinder und deren Betreuungspersonen vor allem, ist es nicht getan. Erstens ist es für die letzteren eh schon zu spät, und bei solchen für die ersteren stellt sich die Frage wer die denn bitte machen soll, so auf die Schnelle noch dazu. Einmal in der Woche ein Kurs in Österreichischen Werten (was waren die noch genau: Wiener Schnitzel, Donauwalzer und Dialekt?) ist zu wenig, wenn die lieben Kleinen dann zuhause wieder ganz etwas anderes hören.

Der Kiebitzer wäre ja dafür, den ganzen konfessionellen Schulschwachsinn einfach abzuschaffen; und wenn man schon dabei ist, den Religionsunterricht gleich dazu – da könnte man ja ordentlichen Religionenunterricht daraus machen. Leider ist das aus zwei Gründen nicht so einfach.

Erstens weil Österreich gerne ein säkularer Staat sein möchte, und als solcher hat er sich in die freie Religionsausübung seiner Staatsbürger nicht einzumischen, und das inkludiert die freie Schulwahl. Ob es dann noch möglich ist, derartige Schulen ordentlich an die Kandare zu nehmen, ist auch fraglich.

Und zweitens weil man damit besonders den Katholiken ordentlich auf die Zehen trampeln würde, was man sich nicht traut weil der Vatikan und dessen Personal das wohl nicht ganz so goutieren würde. Obwohl man sagen muß daß der jetzige Papst ja großteils vernünftig scheint. Wenn es irgendwann irgendjemand versuchen möchte aus dem Konkordat auszusteigen bzw. es zumindest neu zu verhandeln, jetzt, unter Franziskus, hätte man die besten Chancen.

Aufstände

OberösterreichIn der Oberösterreichischen Landesregierung ist keine einzige Frau vertreten. Der Kiebitzer ist jetzt kein großer Fan von Frauenquoten – entweder Frau oder Mann ist qualifiziert, oder halt nicht. Aber daß es in der gesamten blau-schwarzen Politlandschaft Oberösterreichs keine einzige qualifizierte Frau gibt, kann er sich beim besten Willen nicht vorstellen, obwohl er einsehen muß, daß die andere Anordnung der Geschlechtsorgane nicht selten als (einziges) Disqualifikationsmerkmal von Frauen herhalten muß.

Neu und Altlandeschef Pühringer verteidigt seine Entscheidung damit, daß es irgend einen Aufstand ohnehin gegeben hätte, was auf gut Deutsch dann wohl heißt daß man mit ein paar unorganisierten Weibern leichter fertig wird als mit dem mächtigen Bauernbund. Noch dazu wo ein Hofieren des letzteren den Machterhalt der ÖVP zumindest bis auf weiteres garantiert.

Angesichts der nackten Zahlen – Anzahl der Bauern vs. Anzahl der Frauen in Österreich – sollte das nachdenklich stimmen. Oder doch nicht? Warum ist die Frauenlobby eigentlich so verdammt zahnlos, als würden Frauen und deren Bedürfnisse oder Ideen nicht zählen? Der Kiebitzer sieht das auch im eigenen Bekanntenkreis: Den Herren gehts allen beruflich und privat sehr gut (von leichten Anflügen der Midlifecrisis einmal abgesehen) während alle Damen unter Mehrfachbelastungen stöhnen und unter der (geistigen) Abwesenheit ihrer Partner.

Vielleicht liegt es ja wirklich daran: Wenn frau sich zuhause schon nicht durchsetzen kann, daß ihr Partner die Waschmaschine nicht nur reparieren sondern auch bedienen muß, wie soll sie das erst anderswo, in einer Führungposition, oder erst einmal: auf der Leiter dorthin? Bis Frauen gelernt haben sich durchzusetzen, auch auf Kosten der Harmonie, wird weiterhin gelten: Der Papa weiß alles besser – und richten kann er sich’s sowieso.

Nix is g’schehn?

WienWien hat gewählt, und der große Schock ist ausgeblieben. Die SPÖ ist weiter vorne, wenn auch mit 5% weniger, die FPÖ ist weiter zweiter, wenn auch mit 5% mehr. Erfreulich sind der Einzug der NEOS und generell die Wahlbeteiligung von ca. 75%.

Und jetzt? So weiter machen wie bisher, weil immerhin und gottseidank nicht viel passiert ist? Das könnte man – die Grünen stehen eh schon in den Startlöchern, ungeachtet der Rücktrittsandrohung von Frau Vassilakou – aber das wäre nicht ratsam. Noch einmal so ein Ergebnis und die FPÖ ist erster. In fünf Jahren kann viel passieren – diese Zeit muß genutzt werden, sie ist kürzer als man denkt!

Der Wiederholungsfall

OberösterreichOberösterreich hat gewählt – und man darf sich schon zum zweiten Mal fragen ob das ein Deja-vu war: Wieder wurden die Regierungsparteien abgestraft – in diesem Fall die ÖVP mit mehr als 9% und 7 Mandaten weniger – und wieder waren die Freiheitlichen die großen Gewinner, mit 15% mehr und einer glatten Verdoppelung ihrer Stimmen. Und der Kiebitzer ist schon wieder schockiert, fragt sich nur wie lange noch.

Immerhin war die Wahlbeteiligung mit fast 82% ziemlich gut; andererseits sind 30% davon für die FPÖ, also immerhin die Stimmen von 264000 Oberösterreichern, auch ein deutliches Zeichen. Wofür, darüber wird schon diskutiert. Angeblich wäre es die momentane Flüchtlingsmisere gewesen, die den Rechtsruck ausgelöst hat, und nicht irgendwelche internen Probleme mit der Landespolitik. Naja, was auch immer die Wahlverlierer besser schlafen läßt. Was genau waren noch schnell die Außeneinflüsse bei den Wahlen in der Steiermark und im Burgenland?

Aber egal. Der Kiebitzer wartet noch auf die Wahlergebnisse in Wien bevor er sich noch weiter aufregt – sonst muß er sich glatt in 2 Wochen noch einmal wiederholen.

Blaue Peinlichkeiten

FPOEAls Auslandsösterreicher sieht man ja vieles, was die Heimat zutiefst bewegt, was aber trotzdem spurlos an einem vorübergeht. Manchmal ist das auch ganz gut so. Beispielsweise hat der Kiebitzer bis dato nichts von den Wahl-Rap Videos der FPÖ mitbekommen. Dank (?) einer Bekannten ist jetzt aber auch er voll im Bilde und wünscht sich seit dem eine gezielt-partielle Amnesie… Nachdem das leider nicht so leicht herbeizuführen ist, kann man ja gleich kapitulieren und damit vielleicht ein paar anderen Leuten derartige mediale Tiefschläge ersparen.

Obwohl, wenn man sich das Video so anschaut, kann man durchaus auf das Beste hoffen: Offenbar gab es nicht genügend brennende FPÖ Anhänger, die willens gewesen wären für die neueste Propagandaausgabe ihr Gesicht in die Kamera zu halten. Also mußten es eine Handvoll zufälliger Leute sein, die gerade nichts Besseres zu tun hatten. Die durften dann, in blau-weiße “FC HC” Tshirts gesteckt, enthusiastische Fans mimen, was großteils mißlungen ist. Das ist H.C. Strache, dem Hauptdarsteller (auch nicht sonderlich begabt, übrigens) sichtlich nicht aufgefallen; er sonnt sich mit selbstgefälliger Miene im fahlen Licht und träumt offensichtlich von seiner Zukunft als großer Führer. Der einzige, dem man vorwerfen könnte voll bei der Sache zu sein, war der Rapper des Wahlliedchens, aber gut, der hat wahrscheinlich am meisten daran verdient und fühlte sich verpflichtet.

So weit zur Optik. Wenn man sich dann noch den Text anhört, kann man nicht umhin, dem Schreiberling gewisse geistige Ausfallserscheinungen zu attestieren. Alternativ hatte der gerade seinen zynischen Tag. Was sonst könnte es bedeuten H.C. kannst vertrauen? Ja eh, man kann ihm vertrauen die roten Seilschaften mit einer blauen Freunderlwirtschaft zu ersetzen und schon alleine damit den Karren Österreich mit noch höherer Geschwindigkeit als jetzt an die Wand zu fahren. Aber, wir stehen auf H.C., weil der hat an Schmäh, was bekanntlich die einzige Qualifikation ist die man als Politiker so braucht, abgesehen davon daß man wissen muß daß bei dem spielts die Lust – ähh … was?

Weiter im Text, wo der Mann höchstpersönlich Fragen wie zum Beispiel wo nehmen wir bloß die ganze Hackn her mit überheblichem Lächeln nicht beantwortet, weil sogar wenn man die Jobs gibts erst moi für die Wiener so stehen lassen könnte, H.C. nicht darauf eingeht, wie und wer diese Jobs dann von wo genau herbeizaubern wird. Auch das Versprechen an die Senioren als Dankeschön für den Aufbau Österreichs auf die Rent’n hiaz a g’scheit wos draufg’haut zu bekommen ist ein bißchen hohl weil die Quellen dieses neuen Geldsegens noch nicht erschlossen wurden.

Zuguterletzt gibt es noch die Standard FPÖ Kost, daß man ja eh nix gegen Menschen in Not hat und denen liebend gerne Schutz vor Krieg und Tod angedeihen läßt, soferne die halt nicht zufällig zu den 80% Scheinasylanten gehören. Nicht erwähnt, obwohl interessant zu wissen wäre was denn eigentlich ein Scheinasylant ist? Jemand der, obwohl er es gar nicht nötig hat, aus seinem Land flieht, rein aus Lust an der Freud’ und dann in Österreich nach langer beschwerlicher Reise zum Schein um Asyl ansucht, weil er gerade nichts besseres zu tun hat? Na, offensichtlich kennt sich H.C. damit ja aus und hat diese Daten selber erhoben, weil er der einzige ist, der davon redet.

Alles in allem, eine Peinlichkeit nach der anderen, aneinandergereiht zu 4:40 optisch/akustischer Vergewaltigung. Das nächste Mal wird der Kiebitzer einen großen Bogen um derartige Machwerke machen, gibt eh genug Katzenvideos auf youtube…

Oh Moment, bei einer Sache muß er dem H.C. allerdings schon zustimmen: Wir gehn alle zur Wahl – beend’ ma die Qual! Ja bitte, auch vom Kiebitzer den Aufruf: Alles Wahlen!

Übrigens: Der Kiebitzer entschuldigt sich für die lange berufs- und sommerbedingte Pause und hofft, jetzt wieder öfter etwas zu sagen zu haben…

Ausländerwahlrecht

WienIn 3 Monaten sind Wahlen in Wien und anscheinend findet die SPÖ, es wäre gerade jetzt ein guter Zeitpunkt über ein Wahlrecht (auf Länderebene) für alle Ausländer, die in Österreich leben, zu diskutieren. Das ist ganz offensichtlich ein wahltaktisches Manöver:

  • man hat etwas worüber man reden kann (weil sonst hat man in Wien ja keine Probleme),
  • das in Wahrheit für die anstehende Wahl als Thema völlig irrelevant ist weil

– in Österreich gar nix innerhalb von 3 Monaten entschieden wird (und schon gar nicht über den Sommer) und weil
– dieses Thema sogar die Verfassung berührt, wo eine Änderung noch viel länger dauert und noch mehr Stimmen braucht.

Natürlich ist es möglich, daß man das aus rein populistischen Gründen macht; was sich als Schuß ins eigene Knie herausstellen kann, es sei denn, die SPÖ bekommt für diese Art der Wahlwerbung bezahlt – von den Blauen. Wenn man sich nämlich so anhört was gewisse Leute bei gewissen Gelegenheiten so von sich geben, muß man sich ohnehin die Frage stellen, wieviele Agenten die FPÖ bei den anderen Parteien so eingeschleust hat…

Zurück zum Thema: Wahlrecht für Ausländer, die in Österreich wohnen. Der Kiebitzer, als langjähriger Auslandsösterreicher, findet den Vorschlag gar nicht so dumm. Wenn man legal an einem Ort wohnt, sich den vielleicht ganz aktiv ausgesucht hat um dort seinen Lebensmittelpunkt zu haben, warum nicht mitbestimmen dürfen? Ist sicher der vielgepriesenen Integration förderlich. Das diesbezügliche Zuckerbrot und Peitsche Argument der Gegner: “Erst Integration, dann Wahlrecht” ist ein eher schwaches: Leute die sich nicht integrieren (wollen), interessieren sich auch nicht für Wahlen, egal auf welcher Ebene.

Der Kiebitzer würde ein Wahlrecht für Ausländer – egal woher – an die Aufenthaltsdauer in Österreich knüpfen. Zum Beispiel:

  • Gemeinderatswahlrecht nach 2 Jahren Meldung in der jeweiligen Gemeinde
  • Landtagswahlrecht nach 5 Jahren Meldung im jeweiligen Bundesland

Wahlen zum Nationalrat würde der Kiebitzer auf Österreicher – solche mit Staatsbürgerschaft – beschränken, hierbei allerdings unabhängig vom Wohnort (*).

Ob Ausländer mit Wohnort in Österreich auch bei Volksbefragungen und -abstimmungen mitmachen dürfen, könnte man gleich mitklären. Vielleicht bei ersteren schon (auch so nach 5 Jahren) und bei zweiteren nicht? Aber das sind Detailfragen. Genauso wie die, ob man die Aufenthaltsdauer irgendwie überprüfen sollte, um die ganzen urlaubmachenden, zweitwohnungsbesitzenden Russen in Wien auszuschließen. Andererseits sind gerade die wohl eh nicht an irgendwelchen Wahlen interessiert…

(*) Ja, der Kiebitzer wählt den Nationalrat (mit). Er wurde nicht nur einmal gefragt, ob denn in Österreich wirklich soviele Nazis unterwegs sind wie der Wahlausgang vermuten läßt. Darum möchte er zumindest sagen können, daß er sein Möglichstes getan hat um soetwas zu verhindern…

Sprachlos

Amoklauf in Graz.
Ein Mann rast mit dem Auto durch die Innenstadt und fährt gezielt Leute nieder.
3 Tote.
34 Verletzte.

Was sagt man?
Zum Täter, zu den Opfern, zu deren Angehörigen?
Oder auch nur zur Tat im allgemeinen?

Nichts.
Nicht weil man nicht wollte.
Weil man nicht kann.

Man ist sprachlos.

Putsch upside-down

SalzburgBeinahe hat man es übersehen, so schnell ist es gegangen: Mit einem kurzen, unangekündigten Ausflug nach Salzburg hat H.C. Strache die dortige FPÖ Führung entmachtet, nein, sogar aus der Partei entfernt. Was genau der Grund für diesen Coup war, ist nicht so ganz offensichtlich. Strache redet von “Hinterfotzigkeit” als würde er sich damit auskennen; anscheinend hielten die Salzburger mit ihrer Meinung nicht hinter dem Mönchsberg, und das (oder die) hat Strache halt nicht gepaßt, und schon mußten Köpfe rollen.

Mittlerweile herrscht Chaos in der Salzburger FPÖ: Die Abtrünnigen haben eine neue Partei gegründet, einige mehr haben gewechselt, wieder andere sind in den Schoß der Mutterpartei zurückgekehrt… Man kennt sich nicht aus. Sicher ist auf jeden Fall, daß dies, weil eine lokale Begebenheit, nur einen Sturm im Wasserglas darstellt und keine Parteispaltung – und damit Parteischwächung – auf Bundesebene nach sich ziehen wird.

Die Werte, für die die FPÖ so steht sind – und werden hoffentlich auch nie wieder – salonfähig. Aber wenn H. C. Strache so den harten Mann mimt, der “Probleme” nicht zerredet sondern aus der Welt schafft, dann ist das in der gegenwärtigen österreichischen Politlandschaft schon eine Ausnahme. Kein Wunder, daß man die wählt. Wie war noch der Spruch mit den Blinden und Einäugigen…?

Suche nach dem Schuldigen

SPOEDie SPÖ – obwohl stimmenstärkste Partei – hat in der Steiermark den Landeshauptmannsessel verloren. Oder abgegeben. Oder er wurde ihnen abgeluchst, je nachdem wen man diesbezüglich fragt. Fest steht, daß Franz Voves den Landeshauptmannposten an Schützenhöfer abgegeben hat. Und gleich anschließend hat er sich – mit 10 Tagen Verspätung – seines Versprechens erinnert und ist zurückgetreten, mitsamt einigen anderen Altgedienten der steirischen SPÖ. Jetzt sitzen an deren Stellen einige Jungpolitiker, die unseren Außenminister alt ausschauen lassen, und die dürfen sich mit der erfahrenen Altherrenriege der ÖVP auseinandersetzen.

Und mit denen aus der eigenen Bundespartei. Dort wird jetzt einerseits über Voves’ Gründe spekuliert und andererseits ein Schuldiger für den Verlust des 1. Posten im Steirerland gesucht. Mögliche Gründe gibt es wohl viele. Von Taktik ist die Rede, vom Opfer Franz Voves’ für die Partei, nur um Schwarz-blau zu verhindern. Nicht so wohlgesinnte Geister sprechen von Erpressung seitens der ÖVP, von einem “über-den-Tisch-ziehen”.

Was genau wie passiert ist und warum, wird wohl nie bekannt werden. Eines ist allerdings klar: Daß die ÖVP auch mit schlechten Karten die besseren Pokerspieler hat, und das schon seit Jahren. Und daß die SPÖ ein lausiger Verlierer ist. Naja, solange die Steiermark am Ende nicht untergeht…

Blinde Kuh. Oder nur naiv?

WienMaria Vassilakou von den Wiener Grünen hat auf ihre eigene Art und Weise auf die Regierungsbildung im Burgenland reagiert. Sie, als Vizebürgermeisterin, verlangt von Bürgermeister Michael Häupl für die kommende Wahl in Wien eine mehr oder weniger fixe Koalitionszusage nach dem Motto: “Grün zuerst!”

Häupl schweigt dazu und er tut gut daran. Liebe Frau Vassilakou, aus den folgenden drei Gründen hätten Sie den Mund besser auch nicht aufgemacht:

ERSTENS gibt es etwas das sich “Wahlen” nennt. Wenn von vorneherein feststeht, wer Bürgermeister und sein Vize wird, dann kann man sich die Wahlen sparen. Im wahrsten Sinne des Wortes nämlich, so gut steht Wien finanziell ja nicht da, oder?

ZWEITENS sind diese Wahlen im Oktober, das heißt, wenn Sie nachrechnen wollen, in 4 Monaten. Wer weiß, ob die Wiener Grünen dann auch nur ansatzweise in die Nähe einer Regierungsbeteiligung kommen. Man sollte nur dann Leute zum Kuchen einladen, wenn man sicher ist, daß man genug davon hat um ihn zu verteilen.

DRITTENS, meine liebe Frau Vassilakou: Sollte es Leute geben, die mit der momentanen Stadtregierung in Wien nicht zufrieden oder einverstanden sind, dann können die, bei einer fixen Koalitionszusage, weder rot noch grün wählen. Sie sehen schon warum das so ist, so blind sind Sie ja doch wieder nicht, oder? Naja, was kann man denn sonst noch so wählen in Wien? Die Schwarzen werden’s wohl eher nicht werden…

Was zahlt die FPÖ eigentlich dieser Tage so für Wahlwerbung?

Rote Koalitionspanik

BurgenlandSie steht, die neue Koalition im Burgenland. Die SPÖ bleibt am Ruder, der neue Juniorpartner FPÖ bekommt zwei Ressorts und darf in den nächsten 5 Jahren mitregieren. Und prompt regt sich in ganz Österreich das Mißfallen und ein Sturm der Empörung weht Landeshauptmann Niessl ins Gesicht.

Hauptsächlich weht der natürlich aus der SPÖ. Obwohl Faymann sich nobel zurückhält, sind sich seine Paladine nicht zu schade, sich im Burgenland einzumischen und gute Ratschläge zu geben, die auf ein: “Das dürfts ihr nicht” hinauslaufen. Ganz vorne steht Herr Häupl, der offensichtlich für seinen eigenen Posten fürchtet bei der anstehenden Wahl in Wien. Weil, so ein Präzedenzfall müßte ja dann in allen anderen Bundesländern gleich nachgeahmt werden, schließlich marschiert man in der SPÖ ausschließlich im Gleichschritt, mit der Hand auf dem sozialistischen Herzen.

Ähnliche Meldungen kommen von der Jungen SPÖ, die sich nicht entblöden mit Plakaten etc. demonstrieren zu gehen. Das ist irgendwo verständlich, fürchtet man wohl um die zukünftigen Posten in der Parteimaschinerie. Vielleicht könnte man den Youngsters ja ausrichten, daß Fortschritt immer Veränderung bedeutet, ob zum Guten oder Schlechten, und daß sie sich besser darauf einstellen sollen. Jung genug dafür wären sie ja noch.

Selbstverständlich halten auch die Grünen, NEOS, und wie sie sonst noch heißen, nicht mit ihrer Kritik hinter dem Berg. Das passiert aber eher aus einer gewissen Resignation bzw. Neidreaktion heraus, daß man es wieder nicht in irgendeine Regierung geschafft hat.

Nur von der ÖVP hört man so gar nichts zum Thema – oder ist das dem Kiebitzer entgangen? Vermutlich konnte man sich immer noch nicht aus der Schreckstarre lösen und zu einem Entschluß kommen wie es weitergehen soll. Oder es ist endlich in den ÖVP Dickschädeln angekommen, daß Wählerwille über allem steht, und man sich dem besser nicht entgegenstemmt? Aber da ist der Kiebitzer vermutlich zu optimistisch.

Des Kiebitzers Meinung zur Affäre? Er findet es überhaupt nicht gut, daß die FPÖ überall solche großen Gewinne einfährt, daß sie jetzt nicht anderes kann als mitzuregieren. Der Kiebitzer hofft nach wie vor, daß diese Zuwächse auf der Unzufriedenheit mit dem eingefrorenen Status Quo und einem Mangel an Alternativen beruhen, als auf einer wirklichen Gesinnungsänderung der Österreicher.

Darüber hinaus möchte er an das Jahr 2000 erinnern und an die EU Sanktionen nach der Nationalratswahl 1999. Da haben Österreichs Politiker korrekt und geschlossen angemerkt, daß der Ausgang einer demokratischen Wahl zu akzeptieren ist, auch wenn einem besagter Ausgang nicht paßt. Das ist heute so wahr wie damals, auch wenn es nur das Burgenland betrifft…

Rückgratlose und deren Gremien

SteiermarkAls der Kiebitzer gestern in der Früh die (online) Zeitung aufgeschlagen hat, hat er eine Watschn bekommen wie am Tag nach einem Doppelliter Heckenklescher: In der Steiermark gibt es jetzt 3 Großparteien, die Blauen haben es geschafft zu den beiden anderen aufzuschließen und so wahnsinnig lange hat es nicht einmal gedauert. Die FPÖ darf sich jetzt stolz als Arbeiterpartei bezeichnen (mit über 60% der Arbeiterstimmen), während sich die “Reformpartnerschaft” mit einem Totalminus von fast 18% verzagt die Wunden leckt.

Zumindest würde man sich letzteres so vorstellen, aber dem ist nicht so. Obwohl SPÖ-Voves vor der Wahl noch seinen Rücktritt angekündigt hat, sollte seine Partei unter 30% der Stimmen fallen, will er jetzt nach der Wahl nichts mehr davon wissen (was sind schon 0.7%?) und muß seine Parteigremien diesbezüglich befragen (die natürlich hinter ihm stehen). Schade daß er so gar nicht verstanden hat, daß das Gremium bereits am Sonntag getagt hat und ihm und seiner Partei mit einem Minus von satten 9% die Tür gezeigt hat. Herr Voves, auch wenn Sie’s jetzt ein bissi stressig haben, nehmen Sie sich doch ein paar Minuten Zeit und schlagen Sie in einem Wörterbuch Ihrer Wahl die (übertragene) Bedeutung des Begriffs “Rückgrat” nach. Vielleicht können Sie’s ja einmal brauchen. Und Ihre Parteigremien auch.

Ähnliches spielt sich in der ÖVP ab, wo Schützenhöfer seinen eigenen Gremien auch die Vertrauensfrage gestellt hat. Auch hier steht die Partei hinter ihm; mit dem kleinen aber feinen Unterschied, daß Schützenhöfer immerhin vor der Wahl das Rücktrittsmaul nicht aufgerissen hat. Zurücktreten hätte er trotzdem sollen. So wie Waltraud Klasnic, die bei der Wahl 2005 nach einem ähnlich hohen Verlust das Handtuch geworfen hat. Die wußte eben noch was Rückgrat heißt, auch ohne Hilfestellung von irgendwelchen Gremien.

Der Kiebitzer versteht diese Leute nicht. Sind die wirklich so blöd, daß die nicht mitbekommen, daß sich die Wähler nicht mehr länger verarschen lassen? Sich einen derartigen Verlust so schönzureden (60% sind immer noch für die Reformpartnerschaft) daß man danach ohne weitere Konsequenzen so weitermachen kann wie davor, grenzt fast schon – nein, das ist eine Kunst. Werden im Vorstand irgendeiner Firma die zwei Spitzenleute so abgestraft, würde man sagen, sie wurden zur Tür hinaus- und in die Pension hineingeprügelt. Auch ohne weitere Gremien zu befragen. Aber gut, vielleicht waren gerade nicht genügend Versorgungsposten frei für alle.

Immerhin, es ist das letzte Mal, daß so etwas passieren kann. Bei der nächsten Wahl in der Steiermark wird dann die FPÖ die stärkste Partei, so viel ist heute schon klar. Dann sind wir die unreformierbaren Idioten endlich los – die 5 Jahre halten wir noch durch.

Und was kommt danach? …

Na, gottseidank ist der Kiebitzer schon ausgewandert…

Armer Hannes

SteiermarkDie Neuigkeiten aus der Steiermark: Hannes Kartnig wurde nach einigen Eskapaden die elektronische Fußfessel abgenommen, und er sitzt jetzt hinter Schloß und Riegel.

Eskapaden? Wir reden hauptsächlich von einem Premierenbesuch in der Grazer Oper und einer als Geschäftsessen getarnten Geburtstagsfeier im Wiener Nobelhotel. Aber bitte, sind das Eskapaden für einen Mann der gewohnt ist auf großem Fuß zu leben und mit viel Geld um sich zu schmeißen – und das wohlbekannterweise nicht erst seit gestern?

Man merke an, daß diese Art der Freigänge grundsätzlich auch anderen Häftlingen (ob mit oder ohne Fußfessel) erlaubt werden, auf Antrag natürlich. Die Frage ist ob die Justiz bei anderen Leuten auch so großzügig gewesen wäre, gut, vom Freigangszweck “Opernbesuch” haben die Verantwortlichen anscheinend auch erst nach vollendeter Tat aus den Zeitungen erfahren…

Genaugenommen steht dahinter aber eine wesentlich größere, beinahe schon philosophische Frage: Was ist der Sinn und Zweck des Strafvollzugs? Soll er wirklich eine Bestrafung für einen Schuldigen sein, dann ist ein Wegsperren mit minimalen Annehmlichkeiten der richtige Weg, unabhängig von der Tat.

Oder geht es um eine – man entschuldige das Wort – Umprogrammierung des Täters, damit er nicht rückfällig wird, und um eine spätere Wiedereingliederung des – hoffentlich – Geläuterten in die Gesellschaft? Dann braucht es Weiterbildungs- und Beschäftigungsprogramme, psychologische Betreuung die den Namen verdient, und ja, auch die Fußfessel statt bzw. gegen Ende einer Strafe oder für minderschwere Delikte ist absolut angebracht.

Die Fußfessel grundsätzlich ist allerdings so eine Sache: Ist es wirklich sinnvoll, daß jemand, der für ein Delikt bestraft wurde, welches er problemlos von zu Hause, online, über ein paar massierte Bücher, etc. wieder begehen könnte, eine Fußfessel genehmigt bekommt? Das mit der Wiedereingliederung ist auch so eine Sache: So wenig man einem fußfesseltragenden Ex-Drogendealer den Umgang mit Bekannten verbieten kann, so wenig kann man einen Ex-Millionär zwingen von Premierenaustern und Schampus auf Grillwürstel und Bier im eigenen Garten umzusteigen. Aber wie gesagt, das ist mehr eine philosophische Frage.

Zurück zu Hannes Kartnig, dessen Anwalt sich über eine angebliche Zweiklassenjustiz ereifert hat. Naja, das ist halt so bei Promis: Egal was die machen oder was der “normale” Mensch meint daß sie (nicht) machen dürfen, sie werden immer schärfer beäugt und beurteilt als ein Herr Swoboda, den in seinem Wohnblock nicht einmal die Nachbarn kennen. Hat wahrscheinlich etwas mit einer gewissen Vorbildwirkung besagter Promis zu tun.

Und der Kiebitzer muß auch ganz ehrlich zugeben, daß er sich einer gewissen Schadenfreude was diesen Fall angeht nicht ganz erwehren kann. Das hat jetzt nichts mit Herrn Kartnig persönlich zu tun – dazu müßte man sich kennen – sondern eher damit, daß der Kiebitzer der Meinung ist, es hätte schon den Richtigen getroffen. Einen von denen nämlich, die ganz offensichtlich nicht in der Lage sind, Fehler einzugestehen, und glauben, sie könnten eh so weiter machen wie bisher. Auf die Idee, daß man vielleicht ein Schuldeingeständnis abgibt, das mehr als ein Lippenbekenntnis ist, und entsprechend etwas kürzer tritt, kommen solche Leute nicht einmal. Das würde ein Maß an Selbstreflektion voraussetzen, welches man in solchen Kreisen nicht antrifft.

Aber wer weiß, eventuell schafft es ja der Herr Kartnig. Jetzt wo er nicht mehr so leicht in die Oper kann und nach Wien, findet er vielleicht Zeit dafür.

Status Quo

Da liest der Kiebitzer neulich in der Zeitung, daß Gesundheitsminister Stöger Abtreibungen flächendeckend (auch) in Spitälern durchführen lassen möchte, zusätzlich zu einem allfällig vorhandenen Angebot von niedergelassenen Ärzten. “Ja, eh, und?” denkt sich der Kiebitzer. Und dann steht, daß es eigentlich eh ganz gut funktioniert, nur in Vorarlberg und Tirol wäre man diesbezüglich noch hinten nach. “Und? Dann führen wir das halt ein”, denkt sich der Kiebitzer und will schon virtuell weiterblättern, aber da fällt ihm die Aussage des Vorarlberger Gesundheitslandesrates dazu ins Auge. Ein Herr Bernhard von der ÖVP behauptet da mehr oder weniger, daß das gar nicht in Frage komme, schließlich gäbe es weder eine Geschichte noch eine Tradition von Abtreibungen in Vorarlbergs Krankenhäusern; und überhaupt glaubt er daß eh alles paßt und daß seiner Meinung nach ruhig alles so bleiben kann wie bisher.

Und schon ist der Kiebitzer auf 180. Man kann zu Abtreibungen stehen wie man möchte. Man kann eigentlich zu allem stehen wie man möchte, obwohl es Ansichten gibt, die, öffentlich verkündet, langfristig gesünder sind als andere – schon überhaupt für Leute in einem öffentlichen Amt. Aber das ist jetzt Nebensache, darum geht es dem Kiebitzer im Moment überhaupt nicht.

Es geht ihm um dieses gottverdammt selbstverständliche “Des homma immer schon so g’mocht, was Neichs brauch ma net.”

Jedesmal wenn das in irgendeiner Diskussion um Neuerungen oder auch nur Änderungen auftaucht, geht dem Kiebitzer das Geimpfte auf, wie man so schön sagt, und er hat dann immer zwei Reflexreaktionen: Erstens, die betreffende Person mit einem Stempel “lernresistent” zu versehen, sie in die entsprechende Ecke zu stellen, und zu hoffen, mit ihr nie wieder etwas zu tun zu haben. Und zweitens sich zu fragen, wie es der Affe überhaupt von seinem Baum heruntergeschafft hat, da oben gab es sicher die Tradition oben zu bleiben. Wenn solche Meldungen dann noch von Politikern kommen – egal welchen Couleurs – dann ist es sowieso aus für den Kiebitzer.

Noch einmal ganz langsam und deutlich für den Herrn Bernhard und wer auch immer derartigem “paßt scho” Gedankengut nahesteht:

Meine Herren, Sie wurden nicht gewählt um den Status Quo des Stillstandes zu verwalten und sich hilfesuchend an Ihrem Sessel festzuklammern. Sie wurden auch nicht gewählt um den Titel des Lieblingsschwiegersohnes Österreichs einzufahren (Der ist schon seit ein paar Jahren vergeben). Sie sitzen wo Sie sitzen um zu gestalten, zu verändern, zu verbessern, nötigenfalls auch gegen die gerade gefällige Mehrheitsmeinung von anderen “paßt scho” Mitläufern.

Schauen wir ob’s was hilft… Dem Kiebitzer geht’s jetzt auf alle Fälle besser. Und vielleicht schafft er es ja auch, so mittelfristig, sich keine dummen Fragen mehr zu stellen, wie zum Beispiel: “Wieso geht in Österreich bloß nix weiter?”