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Letzte Instanz

Ohne KategorieHubert Gorbach kann es nicht gut gehen, so wie sich der arme Kerl seit 2016 um seine Pension streitet. Gerade eben ist er auch bei der letzten österreichischen Instanz mit seinen Forderungen abgeblitzt. Jetzt bleibt ihm nur noch der Gang zum Europäischen Menschenrechtsgerichtshof in Straßburg, und so wie es aussieht, wird er diesen auch antreten.

Worum es geht, in Kürze: Um einen Pensionsanspruch von 11.000 Euro brutto pro Monat, den Gorbach rückwirkend ab 2013 ausgezahlt haben möchte. Als Tiroler Politiker konnte man nämlich bereits mit 56,5 Jahren in Pension gehen; eine alte Hacklerregelung die 2010 abgeschafft wurde, als das Politikerpensionsalter endlich auf standardmäßige 65 Jahre angehoben wurde. Und weil Gorbach 2013 – mit immerhin 59 Jahren – in Pension gehen wollte, prozessiert er um dieses Geld mit dem Argument diese drastische Gesetzesänderung sei zu schnell gekommen, und er hätte sich nicht darauf einstellen können…

Da gibt es jetzt mehrere Dinge, die man sich auf der Zunge zergehen lassen muß. Erstens, daß man nach gerade 14 Jahren als Politiker einen Pensionsanspruch von 11.000 Euro im Monat hat. Gut, man bekommt auch schon nach 10 Jahren im Nationalrat das Goldene Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik, ungeachtet dessen, ob diese Verdienste aus mehr als “Sessel warmhalten” bestanden haben.

Zweitens, daß Gorbach meint, er dürfe vorzeitig in Pension gehen wie es ihm gerade einfällt, und das selbstverständlich zu vollen Bezügen, ohne jegliche Abstriche. Von beidem kann der Durchschnittsangestelle nur träumen, ganz abgesehen von irgendwelchen Arbeitern.

Drittens und erschwerend kommt noch dazu, daß sich Gorbach nicht geniert, hier Steuergelder und Beamtenzeit zu verschwenden – sowohl durch seine Pension selbst (3 Jahre mal 12 Monate mal 11.000 macht 396.000 Euro) als auch durch die ganze Prozessiererei. Und das vom Ex-Mitglied zweier Parteien (FPÖ, BZÖ), die sich die Sorgen des kleinen Mannes aufs populistische Banner heften oder es getan haben. Na, immerhin wissen wir jetzt, wer damit gemeint ist: die armen kleinen, und vor allem: eigenen, Parteifunktionäre, von denen man weder erwarten kann, sich an die Gesetze – die sich teilweise mitbeschlossen haben! – zu halten, noch sich am Futtertrog auch nur ansatzweise zurückzuhalten. Aber wozu sind Steuern denn sonst da…

Im Endeffekt ist der Kiebitzer froh darüber, daß die Instanzen in Österreich das Ansinnen zurückgewiesen  haben, und er hofft inständig, daß sich Gorbachs Gang zum Menschenrechtsgerichtshof als einer nach Canossa erweisen wird.

Bachmannpreis

Ohne KategorieVoraberklärung: Der Kiebitzer weiß, daß er sich mit dem Folgenden ziemlich in die Nesseln setzen wird. Schließlich ist er ein Techniker und hat von Kunst nur soweit eine Ahnung, wie sie ihm gefällt und er sich zuhause an die Wand hängen würde. Aber vielleicht lesen das hier ja Leute, die ihm etwas erklären können…

Den Bachmannpreis, nämlich. Da wird jedes Jahr so ein tam-tam darum gemacht, daß sich sogar der Kiebitzer dazu genötigt fühlte, nachzuforschen was das ist: Ein Literaturpreis also. Wo innerhalb von ein paar Tagen 14 deutschschreibende Autoren aus ihrem neuesten Werk vorlesen, was dann am Ende im besten Fall zu einem von 5 Preisen führt, oder so.

Gut, so weit hat’s der Kiebitzer kapiert. Und daß es den Bachmannpreis seit mittlerweile 40 Jahren gibt. Gut, denkt sich der Kiebitzer, schauen wir nach wer den bislang gewonnen hat, bei 40 Preisträgern kennt man sicher den einen oder anderen. Nicht wirklich! Von der Liste der Bachmannpreisträger der letzten 40 Jahre kennt der Kiebitzer keinen einzigen. Nein, Moment: Den Franzobel kennt er; nicht daß er einmal bewußt etwas von dem gelesen hätte, aber der Name ist ihm immerhin ein Begriff.

Und jetzt kommt die Frage mit den Nesseln: Wozu ist der Bachmannpreis gut? Weil, wenn der dafür gedacht wäre, irgendwelche Lebenswerke oder herausragenden Leistungen zu ehren – Stichwort Nobelpreis bzw. Oscar – dann müßte man von den Preisträgern im Vorfeld schon einiges gehört haben. Das ist nicht wirklich der Fall. Und wenn es darum geht, Nachwuchsförderung zu betreiben, dann sollte man zumindest vom Gewinner nachher etwas hören. Danach sieht es aber auch nicht aus, wie gesagt, der Kiebitzer kennt nur einen einzigen. Und ist es nicht irgendwie schwach, in 40 Jahren 39 Mal ein “Leider doch nicht” zu ziehen, überhaupt wo die Sache als DER deutsche Literaturpreis gilt?

Der Kiebitzer hat also weitere Forschungen angestellt und sich den Text des diesjährigen Bachmannpreisträgers durchgelesen. Und die Idee ist genial: Der Kunde eines Tiefkühlkostverkäufers macht diesen zum Mittwisser seines Selbstmordes und bittet ihn, seine Leiche an einen anderen Ort zu bringen, wo sie dann “in Ruhe” entdeckt werden kann – oder auch nicht. Als der Verkäufer nach einiger Zeit den Plan doch ausführen möchte, ist die Leiche nicht wo sie sein sollte…

Ein großartiger Anfang für einen Krimi, nicht wahr! Leider ist das Ganze verpackt in einer Sprache, die man beim besten Willen nur als “unlesbar” bezeichnen kann, hauptsächlich wegen einer unglaublichen grammatikalischen Willkür. Das waren nur 8 Seiten, ein ganzes Buch voll davon würde der Kiebitzer nie lesen.

Der liest nämlich (privat) hauptsächlich zur Unterhaltung, was nicht notwendigerweise “seicht” heißt. Der Text des 2. Preisträgers beispielsweise ist auch nicht leicht zu lesen, was an der zirkularen Form der Textes liegt, der quasi spiralfärmig auf sich selbst zurückkommt und dann doch anders weitergeht. Das kann man auch nicht so dahinplätschern lassen, aber hier kann man sich auf den Inhalt konzentrieren ohne zwanghaft mit einem gedanklichen Rotstift in jedem Satz die Grammatik auszubessern.

Dann ist der Bachmannpreis also für literarische Kunst? Und zwar nicht angewandte Kunst, sondern diese “l’art pour l’art“, die selbst in den innersten intellektuellen Inzuchtzirkeln nur eine Handvoll Leute verstehen, oder zumindest so tun als ob? Das würde erklären, warum der Kiebitzer und wahrscheinlich der Rest der breiten Masse von den Preisträgern noch nie etwas gehört hat. Und warum das wohl auch weiterhin so bleiben wird. Naja, den Kiebitzer stört das nicht weiter, Kunst ist halt nicht jedermanns Sache…

Zum Selberlesen als pdf:
Bachmannpreis 2017: Ferdinand Schmalz mein lieblingstier heißt winter
Deutschlandfunkpreis 2017: John Wray Madrigal

In eigener Sache

Der Kiebitzer hat sich dieses Jahr fest vorgenommen, endlich reich zu werden. Allerdings ist es so, daß ihm harte Arbeit so gar nicht liegt, und mit ehrlicher obendrauf würde das viel zu lange dauern.

Also hat er sich gedacht, warum nicht die Berühmtheit als Blogger ausnutzen und die Leser hier um großzügige bzw. häufige (am besten beides!) Spenden bitten. Wenn das bei Kirchen und ähnlichen Vereinen funktioniert und sogar bei den Amerikanischen Präsidentenwahlen, warum nicht auch hier?

Leider ist das nicht ganz so einfach: Die Japanischen Gesetze – an die sich der Kiebitzer halten muß soll man ihn nicht hochkant hinausschmeißen – erlauben keine Spenden an Privatpersonen oder Firmen, sondern nur für gemeinnützige Vereine, politische Parteien und ähnliches. Tja, das war’s dann wohl mit den “wos woar mei Leistung” Spenden in Millionenhöhe…

Allerdings ist es auch in Japan durchaus erlaubt, Dinge und Dienstleistungen online zu verkaufen; und die Dinge/Dienstleistungen die auf diesem Blog zu haben sind, sind die einzelnen Artikel und Kommentare des Kiebitzers. Alles klar? 😉

Natürlich verlangt der Kiebitzer nicht für jeden Kommentar Geld, dann wäre das Blog hier ja so wie arbeiten, und das will er nach wie vor tunlichst vermeiden. Und für Substandard will er auch nicht bezahlt werden. Aber wenn Ihnen ein Artikel ganz besonders gut gefällt, wäre es sehr nett, wenn Sie auf die “Unterstützen!” Seite gehen und dem Kiebitzer diesen einen Artikel abkaufen, so quasi.

Dankeschön!

PS: Des Kiebitzer’s Lieblingsartikel ist übrigens dieser hier. In den hat er bis jetzt am meisten Herzblut hineingesteckt.

PPS: Und für alle, die den Kiebitzer so gar nicht mögen und nur vorbeikommen um sich zu ärgern was er jetzt wieder für einen Scheiß verzapft: Je schneller der Kiebitzer reich wird, desto früher kann er sich zur Ruhe setzen und für immer offline gehen. Das nur so als Randbemerkung…

Austria Second!

Der Kiebitzer amüsiert sich köstlich über die ganzen “America first – my country second” Videos die gerade youtube überfluten, den Niederlanden sei Dank. Für alle jene die sich nicht durch youtube durchwühlen möchten oder dort zu start abgelenkt würden, werden die einzelnen Beiträge hier gesammelt: http://everysecondcounts.eu/

Der Bewerbungsfilm des ORF, ganz neu und gestern nacht erst ausgestrahlt, wird sich sicherlich bald dort wiederfinden. Allerdings muß der Kiebitzer schon feststellen, daß es sich hierbei um keinen Höhepunkt der Stermann – Grissemannschen Komödie handelt.

Positiv überrascht war er dagegen vom Puls 4 Film, kurz, prägnant, und noch ein bißchen böser… Und als Steirer kann er sich das Lob nicht verkneifen unseren Arnie als Sprecher angeheuert zu haben. 😉 Viel Spaß!

 

 

Bitte zu Tisch!

Ohne KategorieUm Irmgard Griss ist es nach der knapp verpaßten Bundespräsidentenwahl wieder etwas ruhiger geworden. Das Ausmaß der Zustimmung hat sie und die ihren offensichtlich überrascht, beinahe schockiert, anders kann man sich acht Monate des taktischen Herumlavierens und des “ja – nein – vielleicht doch – eventuell – schaun wir mal” nicht erklären. Es gab jede Menge lauwarmer Ansätze was man mit der ganzen Popularität so anstellen soll, aber jetzt sieht es so aus, als hätte sie endlich eine Idee, die sie auch echt anpackt.

Frau Griss bittet zu Tisch. Oder eher, sie läßt sich bitten: zum Mittagstisch ausgewählter Österreicher aus allen Bundesländern. Da soll nicht nur gegessen, sondern auch geredet werden, über die Sorgen und Nöte der ausgewählten Österreicher eben, und das bis zu vier Stunden.

Gut, das tut man neun Mal – und danach? Was smacht man mit der Liste von Nörgeleien und (hoffentlich auch) Verbesserungsvorschlägen? Weil ohne konkrete Möglichkeiten, diese auch umzusetzen, ist die ganze Übung nicht mehr als ein PR Gag, das hätte man über facebook und dergleichen wesentlich billiger haben können. Weil daß die NEOS – die einzige Partei, der Frau Griss im Moment etwas abgewinnen kann und umgekehrt – in absehbarer Zukunft auch nur in die Nähe von so etwas ähnlichem wie Einfluß im Parlament kommen, ist unwahrscheinlich.

Aber vielleicht ist die ganze Aktion auch nur die Aufwärmübung bzw. der Startschuß für eine Parteigründung, dafür ist ein Grassrootsansatz gar nicht einmal so dumm. Und daß Frau Griss Potential hat wissen wir ja seit April.

Ganz alleine ist man aber noch keine Partei – und mit ein paar zufälligen Leuten aus der breiten Masse ist man dabei auch meist schlecht bedient. Da wäre es wahrscheinlich klug, parallel dazu bei den Unzufriedenen der bestehenden Parteien anzuklopfen, am besten bei denjenigen, die aus Gründen von zuviel störendem Rückgrat in der zweiten und dritten Reihe versauern müssen. Dem Kiebitzer würde da spontan Frau Ablinger einfallen, oder Herr Dönmetz, jene Querdenker halt, die man parteiintern lieber einebnet.

Mit so einer Truppe der Unangepaßten läßt sich bei Wählern, die Veränderung über alles stellen, ganz bestimmt ein Staat machen – oder zumindest ein Parlamentseinzug. Na, Mahlzeit!

Düringers Stimme

Ohne KategorieRoland Düringer, Exkabarettist und Benzinbruder, prominentester Wutbürger und bestbekannter Aussteiger Österreichs, hat sich von der selbstgewählten Einsamkeit gerade lang genug verabschiedet um eine neue Partei zu gründen. “Meine Stimme Gilt” heißt sie anscheinend, und Düringer möchte damit jene Leute ansprechen, die bisher nicht oder nur ungültig gewählt haben.

Düringer wäre nicht der erste den der Dauerstillstand auf der Regierungsbank so sehr nervt, daß er, durch die gesamte Länge der Frustration und Verzweiflung durchgetrieben, aktiv etwas dagegen unternehmen möchte. Eine Parteigründung kommt da zwar vergleichsweise selten vor, ist aber eine legitime Möglichkeit der Selbstverwirklichung.

Allerdings haben die meisten Parteigründer die Zielsetzung “etwas zu machen”, auch wenn die Details sich diesbezüglich im allgemeinen auf ein “na, anders halt” beschränken. Für Düringer ist das offenbar nicht so wichtig. Im Gegenteil, er sagt sogar ganz offen, daß es nicht darum geht “daß wir dann irgendetwas machen im Parlament. Daß wir etwas besser machen. Nein.” Es geht ihm ausschließlich darum “…daß wir denen etwas wegnehmen.”

Der Kiebitzer findet das schon irgendwie bedenklich, das riecht ihm zu sehr nach kindischer Trotzreaktion, wo kleine Kinder im Sandkasten einander das Spielzeug wegnehmen, nicht um selber damit zu spielen, sondern um sicherzustellen, daß es der andere nicht mehr kann. Das klingt zwar ganz logisch wenn man 5 Jahre alt ist, für einen ernsthaften politischen Diskurs sind derartige Anwandlungen aber unbrauchbar. Es sei denn, man hat als Ziel die Anarchie…

Das würde immerhin zum diffusen Feindbild von “denen” passen, denen man etwas – was jetzt genau? – wegnehmen möchte. Düringer meint damit wohl das Establishment, wer immer das auch sein soll. Allerdings hat da jeder so seine eigenen Vorstellungen wer genug hat um ihm etwas wegzunehmen, das beschränkt sich nicht bloß auf die vielgeschmähten 1%. Und dann wären wir wirklich schneller bei Anarchie und Bürgerkrieg als es dem guten Herrn Parteigründer lieb wäre, der sicher auch auf den Listen gewisser Leute steht die finden daß man ihm etwas wegnehmen könnte.

Gut, noch ist nichts passiert, eine Partei ist ja vergleichsweise schnell gegründet. Ob sie es auf den nächsten Wahlzettel schafft ist ungewiß, von einem Einzug ins Parlament ganz zu schweigen. Davon abgesehen, Parteien deren Programm ausschließlich aus “dagegen” besteht, hätten wir eh schon genug…

Sonntagsfrage

Ohne KategorieAm morgigen Sonntag steht sie also an, die Bundespräsidentenwahl. Mit sechs Kandidaten ist das Feld so groß wie nie. Natürlich haben nicht alle die gleichen Chancen, das höchste Amt im Staat auch wirklich zu bekleiden, aber immerhin hat man dieses Mal nicht nur die Wahl zwischen Pest und Cholera. Dies ist durchaus zu würdigen – und der Kiebitzer läßt sich das auch nicht nehmen! Schauen wir uns die Kandidaten doch einmal an, strikt in Stimmzettelreihenfolge:

Dr. Irmgard Griss. Unabhängige Quereinsteigerin, wenn auch mit Sympathiebekundungen von den NEOS bedacht. Sie wirkt offen und sympathisch, durchaus staatstragend und möchte Präsidentin für alle sein – gab’s das nicht schon einmal? Wahrscheinlich aus diesem Grund war sie sehr zurückhaltend in ihren Aussagen am Beginn des Wahlkampfes, fast schon zu wischi-waschi für jemanden, der nicht befürchten muß irgendwelche innerparteilichen Altherrenriegen zu verärgern. Hat sich mittlerweile aber gemausert und weiß jetzt auch was man im Amt darf und was nicht, endlich. Eine gewisse distanzierte Kühle wird ihr vorgeworden; aber es steht diesem Amt durchaus an erst zu denken und dann den Mund aufzumachen. Wer das nicht gut findet, na, es gibt andere.

Ing. Norbert Hofer. Aufrechter Parteisoldat der FPÖ. Wirkt auf den Kiebitzer ein kleines bißchen zu … anbiedernd, was wahrscheinlich dem politischen Couleur geschuldet ist. Sicherheitshalber hat er – als einziger – das Fairneß Abkommen zum Wahlkampf nicht unterschrieben. Gut so – sonst hätte er sich den Sager mit dem faschistischen Diktator eventuell magengeschwürfördernd verkneifen müssen… Als Stellvertreter Straches weiß er sicher wovon er redet; und auch andere seiner Aussagen kommen ganz offensichtlich von den gleichen Schummelzetteln. Er hat den Vorteil, der jüngste aller Kandidaten zu sein, aber ob man nach 22 Jahren in der Partei dergleichen Kommentare noch als Jugendsünden abtun kann? Falls nicht, es gibt andere.

Rudolf Hundsdorfer. Lebenslanger SPÖ Parteidiener. Hat sich vom kleinen Kanzleilehrling bis zum Sozialminister hochgedient, eine typische SPÖ bzw. Gewerkschaftskarriere. Er wirkt freundlich und umgänglich, wenn auch etwas steif im Scheinwerferlicht. Gut, man trifft andere Staatsoberhäupter eh mehr persönlich als via Videochat, da stört das nicht so. Sehr positiv ist dem Kiebitzer sein Amtsverständnis aufgefallen, so ungefähr Wählerwille geht vor, da war er ziemlich der einzige. Andererseits wirkt er etwas uninspiriert, so als wollte er nicht wirklich, sondern tut bloß der Partei einen Gefallen. Aus diesem Grund würde er wahrscheinlich am wenigsten anstellen; eine sichere Bank halt. Wem das nicht einleuchtet, naja, es gibt andere.

Dr. Andreas Kohl. Graue Politeminenz der ÖVP. Obwohl er in der Partei immer noch die Fäden zieht, sieht seine Nominierung nach dem Abwinken Prölls eher aus wie ein nachträglicher Einfall. Nicht nur das hat er mit dem SPÖ Kandidaten gemein: Auch er mimt den Distinguierten, und als gelernter Verfassungsrechtler sollte er wissen, wie man das Amt blamagefrei ausübt. Andererseits kommt er ein bißchen angriffiger herüber als der Regierungskollege, ein bißchen spritziger, als hätte er noch jede Menge zu sagen. Besonders seinen katholischen Hintergrund hält er nicht versteckt, das ist vielleicht etwas anachronistisch. Obwohl einer der ältesten Kandidaten, wäre er durchaus bereit, 2 Amtsperioden zu bleiben. Für jene die diese Aussicht nicht so gut finden, gibt es andere.

Ing. Richard Lugner. Unabhängiger Quereinsteiger, wenn auch mit einschlägiger Erfahrung als solcher. Wird gerade einmal von sich selber unterstützt, überhaupt nachdem der ORF beschlossen hat, ihn bestenfalls zu ignorieren und schlimmstenfalls vorzuführen. Das hat Lugner zur Klage veranlaßt – Recht hat er, und wird er hoffentlich auch bekommen! Darüber hinaus wird er das Image des Pausenclowns nicht ganz los, und das obwohl er sich alles was er heute zum Fenster hinausschmeißt, redlich verdient hat – und zwar alleine, ohne Papa- oder Parteibackup. Als einziger der Kandidaten stand er im echten Leben und weiß wie man eine Firma aufbaut und führt, da kann man ihm sicher auch die Aufgaben als Seniorchef im Staat zutrauen. Falls nicht, es gibt andere.

Prof. Dr. Alexander van der Bellen. Pseudo-unabhängiger Politpensionist, von den Grünen, wenn auch nicht offiziell nominiert, so zumindest finanziert. War lange genug in der Politik um sich damit auszukennen, wirkt aber gelegentlich etwas müde, wenn auch durchaus sympathisch; er würde das Komittee der internationalen Händeschüttler locker für sich einnehmen. Allerdings scheint es mit der Unabhängigkeit nicht gar so weit her zu sein – die Aussage er würde eine blaue Regierung nicht angeloben war hoffentlich nur einem temporären Ausfall geschuldet. Bleibt zu hoffen, daß ihm im Falle des Falles jemand das Kleingedruckte des Präsidentenarbeitsvertrages im Detail erklärt. Lernfähig ist er ja hoffentlich noch. Und wer das nicht glaubt, na, es gibt andere.

Das war’s als Lektüre vor der Wahl in Österreich. Der Kiebitzer als Auslandsösterreicher durfte sich aus wahltechnischen Gründen ja schon vor zwei Wochen deklarieren. Immerhin weiß er mit EMS geschuldeter Sicherheit, daß die Wahlkarte dieses Mal wirklich angekommen ist. Seine Stimme wird also gezählt, seine Pflicht ist getan. Jetzt liegt es an den anderen, auch an seinen Lesern: Bitte unbedingt wählen gehen!

Gemeinsam, sicher…

Ohne KategorieIn Graz, Eisenstadt, Mödling und Schärding gibt es seit April “Sicherheitsbürger”. Nein, das ist wohl kein Aprilscherz. Obwohl, wenn man sich das ein bisserl näher anschaut…

Die Überschrift unter der die Sache läuft ist “Gemeinsam Sicher” – weil man das in Österreich bislang ja nicht war – und es werden bestimmte Bürger gezielt in die Polizeiarbeit eingebunden, was auch immer das heißen soll. Vermutlich, ohne gleich verhaftet zu werden? Auf alle Fälle kann man sich freiwillig melden und jeder kann mitmachen und als Schnittstelle zwischen normalen Bürgern und der Polizei dienen.

Was das konkret bedeuten soll, darüber hält man sich sicherheitshalber bedeckt, man hat wohl noch nicht wirklich darüber nachgedacht. Auf alle Fälle bekommen diese Sicherheitsbürger mehr Informationen von der Polizei (worüber?) und können die quasi nach unten weitergeben. Und umgekehrt selbstverständlich auch, aber davon ist (offiziell) nicht die Rede. Wohin das führen soll wenn bzw. falls das ab 2017 in ganz Österreich eingeführt wird, ist unklar. Aber ein gewisser Vergleich mit dem organisierten Denunziantentum des 3. Reichs und anderen, ähnlich demokratischen Staaten wie der DDR läßt sich kaum vermeiden.

Obwohl, der Kiebitzer sieht das Problem eher bei einer weiteren Vergrößerung der Kluft zwischen dem gemeinen Volk und der herrschenden Klasse. Es ist ja schon heute am Land kaum noch möglich einen Vertreter der Exekutive zeitnah zu einem potentiell verbrecherischen Geschehen hinzuzuziehen. Wenn man da noch Sicherheitsbürger zwischenschaltet (-schalten muß) kann man sich gleich totstellen.

Dabei ist der postulierte Sinn und Zweck der ganzen Sache das genaue Gegenteil: das subjektive Sicherheitsgefühl der Österreicher zu erhöhen. Liebe Frau Mikl-Leitner, das ginge viel einfacher. Wie wäre es, kleine Polizei- und Gendarmerieposten nicht ständig zu-, sondern wieder aufzusperren. Mit einer so erhöhten und auch niederschwelligen Präsenz der Exekutive klappt das auch mit dem Sicherheitsgefühl.

Aber so ein Vorgehen ist bei uns unmöglich. Was würde man dann bloß mit den ganzen unverbrauchten Beraterhonoraren anstellen?