Eingemauert

WienDer Kiebitzer kennt sich wieder einmal nicht aus. Könnte man ihm vielleicht etwas erklären, bitte? Also, die Sache ist die:

In Wien wurde bis vor ein paar Tagen eine Mauer gebaut, oder besser: ein Bollwerk, bestehend aus mehreren 80 cm hohen, 1m breiten Betonabschnitten plus ansehnlich vielen Pollern dazwischen. Sinn und Zweck der Anlage, die schon im Jahr 2014 auf Beamtenebene beschlossen wurde, war die Sicherung des Bundeskanzleramtes gegen (terroristische ?) Bodenangriffe. Mittlerweile wurde das Projekt wegen massiven Widerstandes gestoppt.

So weit, so gut, der Kiebitzer hat’s kapiert. Was ihn allerdings umtreibt ist die Frage nach dem Warum: Was genau ist das Problem, bitte? Was stört die Leute, daß eine simple Mauer dermaßen empörte Aufschreie durch sämtliche Kreise zieht?

Ist es, weil man beim Bundeskanzleramt, will heißen: bei Politikern, anfängt? Tja, während einer Krise ist eine funktionierende Regierungs (-sspitze) wichtiger als 100 zufällige Leute auf der MAHÜ. Das ist zwar nicht nett und wird besonders den berufsempörten Bobos nicht gefallen, ist aber trotzdem eine strategische Tatsache. Natürlich kann man einwenden, daß es bei einem Terrorangriff nicht darum geht, eine Regierung zu lähmen, sondern die Gesellschaft in Angst und Schrecken zu versetzen. Und daß hierbei das Bundeskanzleramt ein weniger attraktives Ziel darstellt als beliebte Flaniermeilen. Das ist schon richtig. Allerdings sagt ja niemand, daß diese erste Mauer auch die letzte geblieben wäre. Irgendwo muß man immer anfangen.

Oder ist es das Geld, immerhin mehr als 400.000 EUR? Der Kiebitzer ist kein Experte, aber es ist schon anzunehmen, daß man derartiges nicht umsonst bekommen wird. Auch Bauarbeiter möchten bezahlt werden, und LKW Fahrer, und Schottergruben… Der einzige, der da umsomst gearbeitet hat, war wohl Christian Kern als Wasserträger. Und, ganz ehrlich: In Österreich wird sehr viel mehr Geld für sehr viel windigere Projekte ausgegeben.

Oder ist es einfach, weil Wahlkampf ist und man (wer genau?) es (was genau?) denen da oben (wem genau?) zeigen muß? Vielleicht kann man den Kiebitzer diesbezüglich ja genau aufklären. Bis dahin denkt er sich seinen Teil, und der schaut im wesentlichen so aus:

Die Zeit, in der Ingeborg Bachmann Die Wahrheit ist den Menschen zumutbar postulieren konnte, ist unwiederbringlich vorbei. Heutzutage will das gemeine Volk belogen werden, mehr denn je. Weil sowie jemand etwas tut oder sagt, das nicht im Bullseye der eigenen ideologischen Zielscheibe landet, wird sich schon lauthals empört, als hätte man ein Recht darauf, in seiner Blase nicht gestört zu werden und seine Einstellung vielfach bestätigt zu bekommen. Der Kiebitzer ist sich sicher, hätte man die Mauer nicht als Sicherheitsanlage verkauft, sonders mit ein paar Blümchen und Sitzgelegenheiten behübscht, es hätte sich kein Schwein darüber aufgeregt. Wahrscheinlich hätten gerade jene Leute, die jetzt am lautesten schreien, sogar einen Preis gestiftet, für die schöne und gelungene Neugestaltung der Wiener Innenstadt, oder so.

2 thoughts on “Eingemauert

  1. Ich dachte, das Problem ist, das es offiziell niemanden gibt, der diese Mauer in Auftrag gegeben haben will?

    Und 400.000 EUR für ein Mäuerchen ist mMn schon etwas viel. Für das Geld kann man ein Haus bauen oder eine Wohnung in Wien kaufen. >.>

    1. Ach, DAS ist es? Echt jetzt?

      Dh. die Leute glauben ernsthaft, daß sich der Herr Bundeskanzler / Minister persönlich um jeden Scheiß kümmert? Neue Putzfrauen und Sekretärinnen einstellt, detaillierte Vorgaben gibt wo man die Betriebsflotte auftanken darf, Klopapiermassenbestellungen unterschreibt?

      Ich bin mir sicher, daß sich da genauso aufgeregt würde unter: “Ja hat er nix Wichtigeres zu tun??”

      Damals auf der Uni war ich Mitglied der Studienkommission, da haben wir den Studienplan überarbeitet und auch regelmäßig mit dem Ministerium kommuniziert. Trotzdem bin ich mir absolut sicher, daß Frau Ministerin nie im Leben auch nur einen einzigen unserer Briefchen gesehen, geschweige denn gelesen hat. Hätte ich auch nicht erwartet.

      Zum Preis: Na, Bemmerl isses keins, aber wenn man irgendetwas ordentlich gemacht haben möchte, muß man ordentlich Geld in die Hand nehmen. Ich bin kein Baustellenfachmann, aber umsonst arbeitet keiner über Monate hinweg.

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