Nachtzug nach Brüssel

umweltGestern ist der erste Nachtzug der ÖBB von Wien nach Brüssel gefahren. Natürlich ganz mediengerecht, mit 10 unserer EU-Abgeordneten an Bord. Das ist richtig nett und grün, und unsere Politiker sind auch genau jene Leute, die am meisten Flugscham haben sollten.

Aber ganz ehrlich, mit einer Reisezeit von knapp über 14 Stunde ist das Angebot für ernsthaft Berufstätige keine dauerhafte Alternative zum Fliegen. (Der Kiebitzer weiß das aus eigener, leidvoller Erfahrung, und er musste im schlimmsten Fall nur 1x pro Woche in den Nachtzug.)

Wenn es ums grüne Gewissen geht, wäre es viel sinnvoller, im Vorfeld festzustellen, ob man sich die Pendlerei nicht überhaupt sparen könnte. Angebote wie Livestreams oder Videokonferenzen übers Internet gibt es ja zur Genüge. Nur sind die halt bei weitem nicht so fotogen.

Lunacek versteht’s nicht

RegierungKaum angelobt, schon macht unsere neue Staatssekretärin für Kunst und Kultur, Ulrike Lunacek, wieder von sich reden. Nicht, weil sie mehr Geld für Kulturschaffende fordert. Das gehört schließlich zur Jobbeschreibung. Sondern weil sie sagt, sie verstehe den Nobelpreis für Peter Handke nicht.

Und zwar versteht sie die Auszeichnung nicht wegen Handkes Aussagen zum Jugoslawienkrieg, zu Serbien und insbesondere wegen dessen Rede beim Begräbnis von Milosevic. “Wie kann sojemand den Nobelpreis bekommen”, fragt sie sich. Und damit zeigt sie das typische Denkmuster der Linken, das mit der Toleranz und Weltoffenheit, die sie immer so predigen, ganz und gar nichts zu tun hat: “Es ist alles gut – so lange du so denkst wie wir.”

Man kann zu Handke stehen wie man möchte, zu seinen literarischen Qualitäten und zu seinen politischen Ausbrüchen. Der Kiebitzer hat weder das eine noch das andere gelesen, erlaubt sich also kein Urteil. Fakt ist, Handke hat den Literaturnobelpreis bekommen, also eine Auszeichnung für seine künstlerische Tätigkeit. Für Leute mit fragwürdiger politischer Agenda gibt es immerhin den Friedensnobelpreis.

Frau Lunacek wird gut tun, ihre politischen Ansichten so weit wie möglich von ihrem Amt zu trennen. Kunst ist immer persönlich, oft auch politisch, aber ihre Qualität hängt nicht von der Gesinnung ab. Wenn man auch nur ansatzweise so denkt, ist man leicht wieder auf dem Weg zu den “unerwünschten” Künstlern und zu Scheiterhaufen mit “entarteter” Kunst. Ein Weg, den man nicht noch einmal beschreiten muss.

Angelobung im KZ?

OberösterreichAnscheinend hatte unser Ex-Verteidigungsminister Kunasek die Idee, die Angelobung von Rekruten aus Oberösterreich dieses Jahr am Appellplatz im KZ in Mauthausen durchführen zu lassen.

Das Mauthausenkommittee war dafür, weil es gut ist, dass sich das Bundesheer zu einem freien Österreich bekennt.

Der wissenschaftliche Beirat war dagegen, weil so eine Veranstaltung an so einem Ort nicht die richtige Art ist, sich mit Naziverbrechen auseinanderzusetzen.

Der Kiebitzer sieht das auch so. Rufen wir uns nur kurz die Gelöbnisformel ins Gedächtnis, unter besonderer Beachtung des Teils in Rot:

Ich gelobe, mein Vaterland, die Republik Österreich, und sein Volk zu schützen und mit der Waffe zu verteidigen; ich gelobe, den Gesetzen und den gesetzmäßigen Behörden Treue und Gehorsam zu leisten, alle Befehle meiner Vorgesetzten pünktlich und genau zu befolgen und mit allen meinen Kräften der Republik Österreich und dem österreichischen Volke zu dienen.

Eine Veranstaltung wie diese, bei der absoluter Gehorsam gelobt wird, an einer Stätte durchzuführen, wo man sieht, wohin das führen kann, ist keine gute Idee, egal ob es davor eine Führung durch Mauthausen gibt oder nicht. Die Grenzen des Gehorsams kann man ja ausloten, aber dies ist dafür nicht der richtige Rahmen.

Und nicht vergessen, dass die Idee von einem FPÖler stammt. Des Kiebitzers erste Reaktion darauf war: Aha, da wollte jemand den Juden etc. zeigen, wo der Bartl den Most herholt… Nein, wirklich nicht der richtige Rahmen für eine solche Veranstaltung.

Die Feier wurde übrigens abgesagt.

Österreich hat zu viel Geld!

RegierungNa servas: Die letzte Regierung hat uns einen Budgetüberschuß von 1,4 Milliarden Euro hinterlassen, ein Abschiedsgeschenk das dreimal so hoch ist wie prognostiziert. Nicht schlecht und: Dankeschön! Man kann sich natürlich darüber freuen, aber es ist auch interessant, sich die Kommentare der einzelnen Parteien anzuschauen, in denen sich die eigene Ideologie perfekt widerspiegelt:

Die ÖVP sieht ihre Annahme bestätigt, dass Sparen und Entlasten ohne dabei neue Schulden zu machen möglich ist. Ja, eh – aber nur, wenn die Konjunktur auch mitspielt mit dem Sebastian!

FPÖ-Kickl sieht eine Verschwörung und meint, die Leute, die das Geld jetzt “gefunden” haben, hätten es vorher auch “versteckt”. Vermutlich in ungekennzeichneten Sporttaschen oder so.

Die SPÖ wittert böses Spiel bei den Koalitionsverhandlungen und denkt, die Grünen wären dabei über den Tisch gezogen worden. Anscheinend hat die SPÖ einschlägige Erfahrung damit.

Und die NEOS glauben schließlich, dass die Steuerlast zu hoch war, was zwar so sein mag, im nachhinein aber immer leicht zu konstatieren ist. Auch hier der Hinweis auf die Konjunktur, übrigens.

Natürlich beteuern jetzt durch die Bank alle Parteien die Notwendigkeit einer Entlastung der Bürger, je höher, desto besser. Geschwind nachgerechnet haben wir 1,4 Mrd EUR / 8,8 Mio Einwohner macht 159 EUR/Kopf. Einmalig. Entweder können die alle nicht rechnen, oder der Kiebitzer versteht unter einer “echten” Entlastung etwas völlig anderes.

Ab jetzt: Türkis-Grün

RegierungWir haben also ganz offiziell eine neue Regierung, diesmal in den analogen Farben Türkis-Grün, und das obwohl deren Ansichten eher komplementär sind. Dass die Grünen als Juniorpartner mit ihren 4 Ministerposten (gegen die 10 der Türkisen) großartig etwas an der Linie des Sebastian Kurz werden ändern können, glaubt wohl hoffentlich niemand. Der macht nämlich nur dort Zugeständnisse, wo es ihm nicht wichtig ist.

Dass die Oppositionsparteien den türkis-grünen Teufel an die Wand malen ist verständlich, erstens aus Wehleidigkeit und zweitens ist das ihr Job, aber nachdem der türkis-blaue Tiefpunkt überwunden ist, kann es nur mehr bergauf gehen.

Ja, das hört sich nicht sehr zuversichtlich an. Andererseits kann man sich durchaus einmal zurücklehnen und sich anschauen, wie sich die Sache entwickelt. Keine vorschnelle Panik! Wenn die Weltpolitik sogar einen Donald Trump aushält…

Neujahrsansprache 2020

Fast noch rechtzeitig zum Beginn des neuen Arbeitsjahres meldet sich der Kiebitzer zurück – mit einem Kommentar zu van der Bellens Neujahrsansprache.

“Mut und Zuversicht” beschwört er da im Rückblick, oder, anders ausgedrückt, eine Variante des “guat is g’angen, nix is g’schehn”. Und nach dem ganzen Chaos, das uns die FPÖ bzw. HC Strache und letztendlich auch Sebastian Kurz letztes Jahr so beschert haben, kann man wirklich froh sein, dass uns nichts weiter passiert ist als die erste österreichische Bundeskanzlerin.

Jetzt ist es aber Zeit, die Beamtenregierung in den Ruhestand zu schicken, die Zügel wieder in die Hand zu nehmen und uns ordentlich auf die Zukunft vorzubereiten. Weil was wir von der Zukunft zu erwarten haben – fortschreitende Erderwärmung, eine neue HC Strache Partei, die Grünen in der Regierung – braucht nicht nur Mut und Zuversicht, sondern auch jede Menge Taten.

So viele leuchtende Sterne es auch geben mag in finst’rer Nacht, man sollte sich nicht zu lange mit dem Zählen aufhalten und darüber unsere irdischen Probleme vergessen.

Österreich: Hansoku-make!

Ohne KategorieAusschluß für Österreich: Die Internationale Judo Föderation hat Wien die Judo-WM 2021 aberkannt. Grund dafür ist, daß von den 6 Millionen Euro, die die Föderation hätte bekommen sollen, nur 2 (rechtzeitig) geflossen sind. Und nachdem die zweite Rate zum Stichtag 30. September nicht überwiesen war, hat die IJF die Reißleine gezogen. Das war’s dann.

Stellt sich die Frage, wie es soweit kommen konnte. Weil, ganz ehrlich, auf so einem Level sind 6 Millionen praktisch Kleingeld. Und der Herr Sportminister hatte die Summe ja schon zugesagt. Aber das war der HC Strache, zu besseren Zeiten und lange vor der letzten Wahl. Und wenn sich der Kiebitzer recht erinnert, gab es schon länger, na, nennen wir es Kommunikationsschwierigkeiten zwischen dem Bund, der Stadt Wien als Austragungsort und dem Österreichischen Judoverband. Die drei schieben sich schon länger, jetzt aber ganz besonders, den schwarzen Peter zu, eine typisch österreichische Problemlösung halt. Und unser Judoverband hat übrigens gerade einen neuen Vorstand gewählt, rein zufällig natürlich.

Die Moral von der Geschichte ist wie aus dem Bilderbuch: Du kannst kein Geld ausgeben, das Du nicht hast. Und wenn Du das tust, brauchst Du die richtigen Leute auf Deiner Seite, am besten mit notariell beglaubigter Unterschrift.

Haft in der Heimat

Ohne KategorieIm Moment sitzen in Österreich ca. 9200 Menschen im Gefängnis. 47% davon sind Österreicher. Das Justizministerium hat beschlossen, das Programm “Haft in der Heimat” auszuweiten und hat dafür ein extra Überführungsteam zusammengestellt, ein entsprechend ausgerüsteter VW Bus inklusive. Damit sollen Häftlinge, aus einem anderen EU Staat in diesen abgeschoben werden um dort den Rest ihrer Haft zu verbüßen.

Der Kiebitzer sieht das mit gemischten Gefühlen. Grundsätzlich hört sich das nach einer guten Idee an: Nach einem einmaligen Aufwand (der Überführung) ist die Sache für die österreichische Justiz erledigt. Und da das Programm (bislang) auf EU-Bürger beschränkt ist, kann man davon ausgehen, daß diese Leute für die restliche Dauer der Haft gut untergebracht sind und nicht bei nächster Gelegenheit wieder (bei uns) frei herumlaufen.

Auf der anderen Seite stellt sich die Frage nach der Sinnhaftigkeit der Sache, wenn man hört, daß ca. 200 Leute/Jahr rückgeführt werden sollen. Das sind gerade einmal 4% der ausländischen Häftlinge in Österreich. Ob das den Aufwand wert ist? Es wäre interessant zu wissen, um welche Haftlängen es sich handelt, die in der Heimat abgesessen werden müssen. Die Grenze ist hier hoffentlich hoch genug gewählt, weil sonst ist das nur ein populistisches Propagandaspielchen auf das wir gerne verzichten können.

Übrigens: Serbien, die Heimat der größten Ausländergruppe in Österreichs Gefängnissen, wehrt sich trotz entsprechenden Abkommens beharrlich, seine Staatsbürger zurückzunehmen. Aber gut, die sind ja auch nicht in der EU…

Geschichtliches

SPOEDie Wahl am Sonntag kann man ohne große Probleme als “historisch” bezeichnen: Peter Pilz wurde aus dem Parlament verabschiedet und HC Strache in den bitter nötigen Politruhestand geschickt. Und man kann davon ausgehen, daß Pamela Rendi-Wagner auch schon angezählt ist, egal wie die Parteilinie öffentlich aussieht.

In der SPÖ brodelt und rumort es nämlich wie kaum zuvor in ihrer Geschichte. Die Aussage “die Richtung stimmt”, nachdem die Partei gerade ihr schlechtestes Wahlergebnis aller Zeiten eingefahren hat, zeugt nicht gerade von Einsicht. Und die Bestellung eines Nachfolgers für Drozda innerhalb nur weniger Stunden verstärkt das Bild der abgehobenen Parteielite. Insbesondere wo jener Nachfolger sogar von Parteimitgliedern als “Apparatschik” bezeichnet wird. Kein Wunder, daß Rufe nach einer Neugründung laut werden und aus allen Ecken kommen.

Und vielleicht ist es wirklich Zeit dafür. Die “arme und ausgebeutete Arbeiterschaft”, die Hauptklientel der SPÖ, ist schon lange nicht mehr so arm und ausgebeutet. Jeder Bauarbeiter leistet sich heutzutage Haus, Auto, Urlaub und schickt seine Kinder auf die Uni. Natürlich sieht es nicht für alle Leute so rosig aus, aber die unterdrückte Arbeiterschaft als Massenphänomen ist Geschichte. Das ist wunderbar und gehört zu den größten Verdiensten der SPÖ.

Das heißt aber auch, daß man sich damit quasi selbst abgeschafft hat und daß es Zeit wird, sich neue Ufer und Wählerschichten zu suchen. Mitte-links gibt es viel Platz der gefüllt werden möchte, und linke Politik bedeutet mehr als Genderwahn und Zuwanderung für alle. Es wird Zeit, daß sich die SPÖ neu aufstellt, und das beginnt mit einer völlig neuen Führungsriege. Sorry, Pamela.

Die Suspendierung des HC Strache

FPOEEs ist also endlich doch passiert: HC Strache ist weg vom Politfenster. Trotz eiliger Pressekonferenz, in der er fest versprochen hat, nie mehr wieder auch nur in die Nähe eines politischen Amtes zu kommen, wurde er von der FPÖ ganz offiziell suspendiert. Strache mittels eines Parteiausschlusses völlig vor die Tür zu setzen, diese Möglichkeit behält sich Norbert Hofer vor, rein zur Sicherheit. Der Kiebitzer hält es für unwahrscheinlich, daß das passieren wird. Aber wenn sich das künftige Leben des HC als Hausmann zwischen Wäschebergen und Geschirrtürmen abspielt, reicht das dem Kiebitzer vollkommen.

Interessant auch, wie es zu dieser Suspendierung gekommen ist. Bei Ibiza – wir wurden hineingelegt – und dem Spesenskandal – alles gefälscht – konnte man noch auf armes Opfer machen. Aber die 10% Absturz bei der Wahl, daran ist einzig HC Strache schuld, und die Partei hat es vorgezogen, ihn lieber zu opfern.

Weil bei der Wahl ging es nicht um Ibiza oder berechtigte Spesenkonten. Was der “ordentliche Bürger” in Österreich nicht versteht ist, wozu ein Politiker mit einem Grundgehalt von fast 20.000 EURO brutto noch einen Mietzuschuß von 2.500 EURO braucht – von der Partei d.h. vom Staat d.h. aus dem Steuertopf. Und weil das weder zu rechtfertigen noch schönzureden ist, haben viele Leute ihr Kreuzerl woanders oder gleich gar nicht gemacht. Auch wenn dieses Geld vom Rest der Parteispitze abgesegnet wurde (und man kann davon ausgehen, daß deren Spesenkonten auch prall gefüllt sind und variabel einsetzbar) mußte Strache gehen, weil der Skandal seinen Namen trägt.

Natürlich schickt man ihn nicht zu weit in die Wüste, eine Parteispaltung wäre möglich und die muß man vermeiden. Und außerdem ist immer noch nicht klar, was Frau Strache mit ihrem (wahrscheinlichen) Mandat so macht. Aber so ein bißchen Distanz tut gut und schaut noch besser aus. Eine Trennung auf Zeit quasi. Weil in ein paar Jahren kann alles ganz anders ausschauen. Und mit zweiten Chancen für nicht rechtskräftig Verurteilte kennt sich die FPÖ ja aus. Wer, wenn nicht er?

Nach der Wahl …

Regierung… ist vor der Wahl? Irgendwie schon, aber dann auch wieder überhaupt nicht.

Daß die Kurz’sche ÖVP wiedergewählt werden würde war ja schon länger klar, die Schredder- und Spendenaffären waren nicht genug um die Wähler nachhaltig abzuschrecken. Und obwohl der Kiebitzer den Kurz überhaupt nicht leiden kann, muß er schon zugeben, daß er unter allen Parteichefs derjenige ist, der das Amt des Bundeskanzlers am ehesten ausfüllen kann. Ob das jetzt gut ist oder schlecht, sei dahingestellt und eventuell ein Auftrag für die anderen Parteien.

Der Absturz der FPÖ war in dieser Höhe (Tiefe?) nicht zu erwarten, und der Kiebitzer hat mit seinem davon ausgelösten Wahljubel wahrscheinlich die ganze Nachbarschaft aufgeweckt, so kurz nach Mitternacht… Gut zu wissen, daß die Anzahl der rechten Recken, die ein X nicht von einem U unterscheiden können, nicht so groß ist wie vermutet. Das ist doch ein Grund zur Freude!

Der Rest war zu erwarten: NEOS ein bißchen mehr, dafür Pilz JETZT weg vom Fenster. Die Grünen sind wieder da, und obwohl der Kiebitzer einige der Gesichter dort auch nicht mag, brauchen wir diese Partei im Parlament. Und wenn sie die Gender- und Multikultiagenda auf ein vernüftiges Maß zurückstutzen und sich auf die Erderwärmung fokussieren, dann sind sie dem Kiebitzer sogar in der Regierung recht.

Aber so weit sind wir noch lange nicht. Kurz wird sich Zeit lassen, einen Koalitionspartner auszuwählen – mit 71 Mandaten kann er sich die kleinste Krot aussuchen, an der er die nächste Legislaturperiode lang kauen muß.

NR-Wahl 2019 – Es wird ernst

OEVPEs wird jetzt wirklich ernst mit der Nationalratswahl 2019: Der Kiebitzer hat gestern seine Wahlkarte bekommen, so früh wie noch nie! Bleibt zu hoffen, daß die paar defekten Wahlkartenkuverts, die gerade aufgetaucht sind, auch die letzten bleiben. Noch so eine Farce wie bei der letzten BP-Wahl hält der Kiebitzer nämlich kein zweites Mal durch…

Aber egal. Ausnahmsweise hat er jetzt so 10 Tage Zeit für sein Kreuzerl, als ob das die Sache irgendwie leichter machen würde. Seine Tendenzen sind zwar grundsätzlich unverändert, es wäre aber auch denkbar, in düsteren Zeiten wie diesen taktisch zu wählen. Da ist es irgendwie gut zu wissen, daß es keine perfekte Regierung geben kann, egal wer am Ende den Bundeskanzler macht.

Und weil wir gerade beim Thema sind: Der Kiebitzer hat anscheinend die Hälfte des Putsches in der ÖVP gar nicht mitbekommen. Die Umfärbung von der schwarzen ÖVP zur türkisen neuen Volkspartei ist natürlich bis hier durchgedrungen, aber das ist nicht die ganze Wahrheit. Die ÖVP ist offenbar tot, weil die Partei, die da als erste am Stimmzettel steht, heißt nämlich “Liste Sebastian Kurz – die neue Volkspartei”.

Gut, ein gewisser Grad an Narzissmus ist eine Grundvoraussetzung für eine Politikerkarriere, aber es ist schon ziemlich stark, einer Partei, die es seit 1945 gibt, einfach so den eigenen Namen umzuhängen. Mehr Gründe, den/die Typen nicht zu wählen…

Der Kiebitzer wundert sich gerade, wie viele Leute das wirklich mitbekommen haben – anscheinend war das ja bei der NR 2017 schon so. Vielleicht könnte man die Partei in Zukunft beim richtigen Namen nennen, um den Leuten klar zu machen, für wen sie wirklich ihre Stimme abgeben. Einen Versuch ist es wert – hilft’s nix, schad’s nix.

JETZT geht nicht weiter

JetztEs sieht so aus, als wäre die Partei JETZT Geschichte – spätestens bei, unter Umständen schon vor der Wahl am 29. September. Gleich fünf der bisherigen sieben Nationalratsabgeordneten von JETZT lassen ausrichten, bei der nächsten Nationalratswahl nicht mehr zur Verfügung zu stehen. Okay, eine davon wird es bei den Grünen versuchen. Damit bleiben zwei übrig, und einer davon ist der Listengründer Peter Pilz.

Natürlich bekräftigen diese Leute jetzt, nie mehr als eine Legislaturperiode auf der Parlamentsbank eingeplant zu haben, und das wäre auch immer kommuniziert worden, intern halt, im Klub. Das kann man jetzt so hinnehmen, allerdings möchte der Kiebitzer schon anmerken, daß so eine Legislaturperiode im allgemeinen fünf Jahre dauert und nicht nur anderthalb.

Egal. JETZT hat sich also erledigt und selbst abgeschossen, obwohl nicht ganz so brutal wie das Team Stronach. Die kurze Zeit hat nicht ausgereicht, genug Profil zu entwickeln, und abgesehen von Peter Pilz und seinen schon aus der Vorzeit stammenden Erfahrungen als Aufdecker ist niemand nachhaltig in Erinnerung geblieben. Und daß Pilz es nochmal ins Parlament schafft, ist unwahrscheinlich, zumindest nicht mit einer eigenen Partei. Schade, eigentlich.

Die Rückkehr des HC Strache

FPOEEigentlich hätte die Politkarriere des H.C. Strache mit der Veröffentlichung des Ibizavideos ja vorbei sein müssen. Nach dem Rücktritt ab ins Privatleben und gut ist’s, weil für offenbar derartig leicht korrumpierbare Leute sollten sich jegliche Weihen der Politik, egal auf welcher Ebene, völlig und nachhaltig ausschließen. Und in vielen Ländern und Parteien sieht man das auch genau so.

Aber die FPÖ sieht das anders, und angesichts früherer Vorfälle in der Partei ist der Kiebitzer fast versucht, ein “naturgemäß” hinzuzufügen. Von Anfang an wurde von den Blauen versucht, der ganzen Geschichte den Spin vom armen HC zu geben, der von bösen Mächten hereingelegt worden ist. Das scheint mittlerweile die Parteilinie geworden zu sein, weil wie sonst kommt die völlig kranke Entscheidung Hofers zustande, der eine Rückkehr Straches nach der völligen Aufklärung des Falles nicht ausschließt.

Wie meinen?

Aufklärung ja gerne, aber die Hintermänner des Videos sind für den Inhalt schwer verantwortlich zu machen, daran sind die beiden Hauptdarsteller schon selber schuld, haben sie doch ganz freiwillig ihr Innerstes nach außen gekehrt. Man hat Strache unter Druck gesetzt – mit nicht mehr als ein bißchen Busen und ein paar schlanken Beinen – und er hat seinen wahren Character offenbart. Nicht, daß der so gut übertüncht gewesen wäre.

Falls Strache ind ie FPÖ zurückkehrt, sind sich alle wohl hoffentlich im Klaren, daß sich jegliche zukünftige politische Zusammenarbeit mit dem Herren völlig ausschließt. So korruptionsanfällig wie der gute HC Strache anscheinend ist, muß man sich bei jedem Wort, das zukünftig aus seinem Mund kommt fragen, ob und wer dafür bezahlt hat, und wieviel. Die FPÖ scheint das ja nicht zu begreifen, da kann man nur auf die anderen Parteien hoffen.

Die Frage, die den Kiebitzer aber am meisten umtreibt ist: “Wo sind die Medien?” Da wird von Straches Rückkehr in die Wiener FPÖ berichtet, als ob das völlig in Ordnung wäre, als ob man die FÖP in ihrer Opferrolle bestätigen müßte, als ob nichts Nennenswertes passiert wäre. Kein Wort, das darauf hindeutet was wirklich geschehen ist, daß sich Strache selbst und freiwillig als käuflich geoutet hat, wenn nur der Preis stimmt (und die Dame scharf genug ist).

Wie kann das sein? Wie kann es sein, daß die Medien irgendeinen FPÖ Politiker noch in die Nähe eines Mikrofones lassen ohne zu fragen was diese Person von der Rückkehr Straches hält? Ein Thema immer und immer wieder anzusprechen sollte zum guten Ton des Journalismus gehören, und bei anderen Themen ist das ja durchaus möglich. Nur hier passiert das nicht, abgesehen von ein paar persönlichen Kommentaren, die versteckt auf den hinteren Seiten enden. Was ist da los? Man könnte ja glatt glauben, die Medien hätten Angst vor irgendwas oder irgendwem…

Halbe-Halbe in der Regierung

RegierungDie neue Übergangsregierung in Österreich steht, geformt aus Beamten aus diversen Ministerien. Also Novum (und wahrscheinlich auch weiterhin als Ausnahme) hat Österreich nun eine Bundeskanzlerin bis zur nächsten Wahl. Und als weiteres Novum sind nunmehr 50% der Minister weiblich, ganz exakt.

Für die nächsten drei Monate ist das ja ganz nett. Ob das weiterhin Schule machen wird ist zu bezweifeln.

Das Feindbild der Rechten

umweltGreta Thunberg, DIE europäische Klimaaktivistin aus Schweden, hat am Freitag am Schwarzenbergplatz zusammen mit tausenden anderen für den Klimaschutz demonstriert.

Als kleines “Willkommen in Österreich” wurde ihr vom Blatt “Zur Zeit” ein Facebookpost gewidmet, wo sie als psychisch kranke schwedische Göre mit sauertöpfischem Gesicht bezeichnet wurde.

Jaja, nichts regt die starken Männer der rechten Reichshälfte so auf wie eine 16jährige, die sich traut den Mund aufzumachen und ihre Meinung öffentlich kundzutun. Sagt doch sehr viel über die Herren aus, nicht wahr?

Und es sagt auch viel über Greta aus: Daß sie offensichtlich etwas richtig macht! Weiter so, Mädl!

Kurz, unterbrochen

RegierungEs war ja fast zu erwarten, daß Bundeskanzler Kurz die Mißtrauensabstimmung am Montag nicht überleben würde. Und so ist es auch gekommen: mit den vereinten Stimmen von FPÖ, SPÖ und JETZT wurde Kurz und mit ihm die gesamte Regierung vom Parlament abgesetzt.

Jetzt heißt es zunächst einmal warten auf die Expertenregierung, die van der Bellen schnellstmöglich einsetzen möchte. Der Kiebitzer ist ja gespannt, ob es irgendjemand, der in den letzten beiden Regierungen vertreten war (die in den letzten zwei Wochen), wieder zurückschafft. Man wird sehen.

Was Kurz betrifft, befindet der sich bereits im Wahlkampf, gut, eigentlich ist er das ja schon seit jenem Samstag… Ob der Märtyrermythos, den er bereits kräftig aufbaut, bis September zieht, wird sich herausstellen.

Wundern würde es den Kiebitzer auf keinen Fall, wenn Kurz wieder als Bundeskanzler aus der nächsten Wahl hervorgeht. Schließlich gibt es auch knapp 40.000 Leute, die bei der EU Wahl frisch und fröhlich eine Vorzugsstimme für HC Strache abgegeben haben. Da hat man schon einen gewissen Grundverdacht…

EU Wahl 2019

BundesländerDie EU Wahl 2019 ist also geschlagen und hat in Österreich mit einem Sieg der ÖVP geendet; die FPÖ hat etwa 1,6% Stimmen verloren. Ob das Ergebnis etwas mit #ibizagate zu tun hat, ist schwer zu sagen. Der Kiebitzer verweist hier auf eine Seite des ORF über eine Umfrage zum Thema Wahlmotive der Österreicher:

https://orf.at/stories/3124484/

Zum Ausgang der EU Wahl kann man stehen wie man möchte, es hat alles Vor- und Nachteile. Eindeutig positiv ist auf jeden Fall die Wahlbeteiligung, die gegenüber der Wahl 2014 um ca. 5% gestiegen ist, auf nunmehr 50,62%.