Freiwilliges Ende

RegierungIn Europa hat man es kapiert: Der Klimawandel ist real, und bevor uns das (Meeres-) Wasser bis zum Hals steht, sollten wir einen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen vornehmen. Das Pariser Klimaabkommen spricht diesbezüglich von 2050, aber es bleibt einzelnen Staaten selbst überlassen, ene schnellere Gangart einzulegen.

Die Norweger preschen vor und wollen ab 2025 – das ist in 8 Jahren! – keine Diesel- und Benzinfahrzeuge mehr neu zulassen. England und Frankreich legen sich die Latte niedriger und wollen das ab 2040 tun. Die Deutschen zieren sich noch ein bißchen was die Jahreszahl betrifft, den heiligen Gral Autoindustrie darf man auch nur sehr, sehr vorsichtig anfassen. Immerhin ist man sich dort einig, daß man ein fixes Datum für den Ausstieg braucht, notfalls kann man das ja situationselastisch anpassen, hat man beim Atomausstieg ja auch schon gemacht.

Und was macht Österreich? Halbe Sachen, so wie immer. Einerseits legt man das Ausstiegsdatum für abgasemittierende Autos mit 2030 relativ früh fest – das ist in 13 Jahren! – andererseits betonen sowohl SPÖ Verkehrsminister Leichtfried als auch ÖVP Umweltminister Rupprechter von Verboten nichts zu halten sondern lieber auf Anreize zur Freiwilligkeit zu setzen. Und für die Förderung der Elektromobilität – was auch immer das genau heißen mag – stellt man bis 2019 gewaltige 72 Millionen Euro zur Verfügung.

Wäre der Kiebitzer ein weniger gelernter Österreicher, er wäre beinahe begeistert. Das mit den Förderungen hört sich so an wie die jährlichen Förderungen der Steiermark für Solarzellen – 10 Minuten nach dem Beginn der (online) Einreichfrist ist der Fördertopf schon leer.  Und wie es um die Freiwilligkeit in Österreich so bestellt ist wenn es darum geht etwas Unangenehmes oder mit Kosten verbundenes zu tun, hat man schon bei Plastiksackerln, Mineralwasserflaschen und Gastrorauchverboten gesehen.

Aber das Gedächtnis der Leute – insbesondere jener die politisch tätig sind – ist miserabel und vor allen Dingen kurz. Vielleicht geht es diesmal ja wirklich anders, ganz ohne gesetzlichen Zwang von oben. Der Kiebitzer, als gelernter und träger Österreicher, ist halt zu alt um an Wunder zu glauben…

2 thoughts on “Freiwilliges Ende

  1. Der Charadrius fragt sich halt schon lange, wo der Strom für die vielen Elektroautos herkommen soll?
    Stromerzeugung ist heute weltweit gesehen immer noch mit Unmengen an CO2-Emissionen verbunden. In Österreich schaut’s zwar aufgrund der Topographie recht gut aus und in Norwegen sogar sehr gut (drum tun sich genau die recht leicht beim Vorpreschen bei der Elektromobilität), aber der Rest von Europa steht diesbezüglich schon wesentlich düsterer da (Polen, Baltikum, Balkan ganz arg). Frankreich, Schweden und Finnland verlassen sich massiv auf Atomstrom, auch nicht ganz so fein (und vor allem unfair!). Und nein, ein paar Windradl oder Solarzellen reichen nicht. Beim Aufladen eines Akkus für Autos reden wir von kWh und nicht von mWh wie beim Mobiltelefon.
    Und dann gibt’s neben Autos noch sowas wie LKWs, Baumaschinen, Lokomotiven (jaja, in den USA fahren die großteils mit Diesel) und Schiffe. Dafür würde man (neben anderen Problemen) noch mehr Strom benötigen!
    Und – noch eine Nebenwirkung – auch die Unmengen an Lithium und Kupfer, die für eine flächendeckende E-Mobilität notwendig wären, muss man auch irgendwo herzaubern.

    Deshalb findet der Charadrius, bevor man Unmengen an Steuergeld blind für die Förderung der E-Mobilität verschwendet, sollte man dieses Geld stattdessen in die Förderung der Forschung nach intelligenten alternativen Antriebssystemen (z.B.: CO2-Kreislaufsysteme oder ähnliches) stecken, hier gibt es noch einiges Potenzial ohne die ekelhaften Nebenwirkungen der ach so sauberen Elektromobilität…

    Oder man fährt in der Stadt einfach mit dem Rad, das hilft auch und wäre die unkomplizierteste und nachhaltigste Lösung, findet Euer
    Charadrius

    1. Naja, so ein, zwei neue Kraftwerke wird man schon bauen müssen. 😉

      Allerdings darf man nicht vergessen, daß auch Treibstoffherstellung Energie verbraucht und CO2 freisetzt; wenn man auf Erdöl verzichtet, kann man das gegenrechnen. Außerdem gibt es bei der Lastverteilung bei der Stromherstellung noch Kapazitäten. Zum Beispiel weht auch in der Nacht Wind – den erzeugten Strom könnte man direkt in Elektroautos einspeichern. Oder die Waschmaschine damit betreiben um 3 Uhr früh. Um derartiges zu automatisieren möchte man ja das Smartmeter einführen – was aber bezüglich Datenschutz ein totaler Griff ins Klo ist…
      Grundsätzlich gebe ich Ihnen aber Recht, ausschließlich auf E-Mobilität (oder Stadtfahrräder) zu setzen ist keine gute Idee. Da muß man schon wesentlich innovativer werden.

      Mir gehts in diesem Kommentar allerdings nicht so sehr um eine spezielle Technologie; daß wir den Ausstieg aus fossiler Energie schaffen müssen ist klar, wie auch immer. Mir gehts hier um die Naivität der österreichischen Politiker, bei so einem wichtigen Thema auf “Freiwilligkeit” zu setzen, als ob das in Österreich (oder irgendwo sonst) jemals funktioniert hätte. Auch wenn man nicht hinter jeder Firma eine Lobby für irgendwas sieht, wird sich die Wirtschaft mit Händen und Füßen gegen alles wehren was auch nur ansatzweise Geld kostet und den eigenen Profit verringert. Und ernsthaft zu glauben, daß der kleine Pendler freiwillig auf langsame Öffis oder wesentlich teurere Autos umsteigt ist ein Witz.

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