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41 Millionen

WirtschaftDer Kiebitzer hat ganz eindeutig den falschen Job. Statt sich jahrelang durch ein technisches Studium zu quälen, hätter lieber ein, zwei Semester auf der WUNI abgesessen. Dann müßte er heute nicht als notorisch unterbezahlter Ingenieur arbeiten, sondern könnte sein sporadisches Wissen, mehr aber noch die Namen seiner Kontakte, zu Höchstpreisen verkaufen.

An so Firmen wie EADS beispielsweise, die für das Lobbying im Rahmen des Kaufs der österreichischen Eurofighter 41 Millionen Euro springen ließ. Und das ganze Geld wurde gerade einmal auf 8 Personen bzw. deren Firmen aufgeteilt – das macht 5 Millionen Euro pro Nase! Für so viel Geld muß der Kiebitzer sehr, sehr lange arbeiten; und anstrengender als ein paar “Working Lunches”, gezielte Telefonate und abschließende Handshakes ist sein Job noch obendrein.

Vielleicht könnte man ja teilzeit einsteigen? Wenn man sich so prominente und hochoffizielle Lobbyisten wie Mensdorff-Pouilly so anschaut, hat man nicht den Eindruck, daß das Lobbyistentum mehr als eine halbe Hirnhälfte gleichzeitig beanspruchen würde. Die Hand-Auge Koordination muß halt gerade noch funktionieren, wäre schön peinlich wenn man beim gesponserten Jagdausflug irgendetwas Falsches abschießt…

Nach einigem Überlegen hat sich der Kiebitzer allerdings entschlossen, die Sache doch lieber bleiben zu lassen. Wenn er sich vorstellt, ständig mit der Art von “Wirtschaftstreibenden”, wie sie beispielsweise auf den Festen der österreichischen Botschaft in Rudeln auftreten, arbeiten zu müssen, steigen ihm die Grausbirnen auf (und diese Typen sind gerade einmal 3. Wahl). Da bleibt er lieber ein mittelgroßer, mittelständischer, mittelbezahlter Techniker für den Rest seines Lebens. Hat auch den Vorteil, daß er sich in der Früh rasieren kann ohne vorm Spiegel Brechreiz zu bekommen.

Islamic Banking

WirtschaftEs ist Anfang Februar, und die BAWAG hat ihr Pilotprojekt zu Islamic Banking gestartet. Dabei werden keine fluktuierenden, prozentabhängigen Zinsen verrechnet, sondern stattdessen Fixbeträge verlangt, und Kreditkarten gibt es anscheinend auch keine. Darüber hinaus sind Investitionen in gewisse Bereiche ganz verboten, zum Beispiel in Prostitution, Pornografie, aber auch in Herstellung, Verarbeitung und Verkauf von Alkohol und Schweinefleisch. Besonders hervorzuheben is hier das Verbot von Investitionen in Waffen und Kriegsgüter, während es offensichtlich kein Problem darstellt, selbige zu kaufen und zu verwenden…

Kaum wurde die Geschichte ruchbar, wurde die Bank von jenen selbsternannten Hütern des Abendlandes, die sich hauptsächlich im Internet ihrem Heldentum hingeben, mit Bösartigkeiten und Drohungen, die bis hin zur Kontoauflösung reichten (wir sind schließlich in Österreich), eingedeckt. Nana, keine Panik! Wenn sich die Herrschaften wirklich so übervorteilt fühlen, können sie ja selber ein Islamisches Konto eröffnen. Laut BAWAG steht es jedem offen, Kopftücher oder das Aufsagen der Shahada, des islamischen Glaubensbekenntnisses, sind nicht erforderlich. Persönlich würde der Kiebitzer davon allerdings abraten, schließlich ist die BAWAG ein gewinnorientiertes Unternehmen und kein mildtätiges. Dementsprechend geschmalzen werden diese Fixkosten schon ausfallen. Irgendwo war da von über 30 EUR Kontogebühren pro Monat die Rede, soviel zum Thema “Wucher nicht erlaubt”.

Dem Kiebitzer ist diese Sache also wurscht. Er kann sich des Eindruckes einer gewissen Anbiederung an die Muslime in Österreich allerdings nicht erwehren. 600.000 gibt es in Österreich, und die BAWAG erhofft sich wohl neue Kunden, weil die ja alle bis jetzt kein Bankkonto hatten… Naja, wenn diese 600.000 genauso muslimisch sind die wie 5.2 Millionen Katholiken in Österreich katholisch, dann ist ja vermutlich nicht ganz so viel Geschäft dahinter wie erhofft.

Und zusätzliches Geschäft ist wohl der einzige Grund für die BAWAG, Islamic Banking anzubieten. Schließlich sind Profit und Moral keine guten Bettgenossen, wie man seit Jahren weiß. Dafür braucht man sich ja nur das Verhältnis westlicher Firmen und Staaten zu folgenden Zeitgenossen anschauen: China, Saudiarabien, verschiedene Staaten Zentralafrikas und Südamerikas,…

Brandherde

WirtschaftLetzten Dienstag in Wien: treffen sich da so 500 Leute um vor dem Parlament zu demonstrieren. Mit allem was dazugehört: Plakate, Sprechchöre… Gut, 500 Menschen sind jetzt keine Massenbewegung, aber es muß schon ordentlich was passiert sein wenn es den sonst so lethargischen Österreicher protestierenderweise vors Parlament treibt.

Welche weltbewegende Tragödie passiert ist? Na, es wird in Österreich das allgemeine Rauchverbot in der Gastronomie eingeführt, immerhin schon 2018. Wahnsinn, daß man den Zug überhaupt noch erwischt hat! Schauen wir uns die Demonstranten doch einmal näher an.

1) Gastwirte.
Anscheinend machen die neuerdings nur mehr mit Rauchern ihren Umsatz. Da kann der Kiebitzer ja fast froh sein, daß man ihn und seine nichtrauchenden Freunde nach den Sturm Graz Spielen immer erst zur Sperrstunde hinauskomplimentiert hat…

Ernsthaft: er versteht den Ärger der Gastwirte auf die Legislative durchaus. Zuerst wird geschwafelt von “Freiwilligkeit” – als ob das je funktioniert hätte in der Wirtschaft – dann sind “bauliche Maßnahmen” verpflichtend und jetzt heißt es auf einmal: “Ja, wißt’s was, mach’ ma’s lieber doch ganz weg…” Man ist zwar als bekennender Österreicher einiges gewöhnt, aber da hätte sich der Kiebitzer auch verarscht gefühlt. Liebe Regierung: Die Geschichte dieses Rauchverbots ist nicht einmal ein Ruhmesfeigenblatt…

2) Raucher und deren Verbündete.
Der Kiebitzer hat durchaus auch seine Bedürfnisse und kann Entzugserscheinungen nachvollziehen. Aber bitte, was sind das für Leute, die es keine zwei, drei Stunden beim Wirten aushalten ohne zu pofeln? Stehen die auch in der Nacht zweimal auf um sich eine anzuzünden wenn der Nikotinspiegel zu sehr sinkt? Gehen die nicht ins Kino, fliegen nicht einmal nach Mallorca?

Davon abgesehen ist es ja nicht so als würde man die Leute beim Wirten in die Sessel schnallen und dort nicht mehr weglassen. Es steht jedem Raucher frei, aufzustehen und vor die Tür zu gehen um zu rauchen. Schließlich geht das privat durchaus: Wenn die Gattin das nicht möchte, verzieht man sich halt in den open-air Rauchsalon am Balkon.

Daß bei der ganzen Geschichte den Nichtrauchern die Schuld zugeschoben wird, findet der Kiebitzer höchst unfair. Schließlich geht niemand in die Oper oder in eine Disko der das nicht möchte, oder verbringt seinen Wellness-Entspannungs-Urlaub in einem Kinderhotel. Als Nichtraucher hat man aber kaum die Möglichkeit in Lokale zu gehen in denen man nicht tiefengeselcht wird. Auch das Gesundheitsargument wird immer wieder pervertiert indem bemerkt wird, man würde als nächstes den Alkoholkonsum verbieten. Naja, wenn sich jemand neben dem Kiebitzer unbedingt eine private Leberzirrhose anzüchten will, ist das etwas anderes als wenn der gleiche jemand dem Kiebitzer den Doppelliter ansetzt. Aber so darf man nicht argumentieren, sonst bekommt man Aussagen wie die, die damals des Kiebitzers Englischlehrer gemacht hat: “Es gibt nichts intoleranteres als Nichtraucher. Mich stört’s nicht, wenn neben mir keiner raucht…”

3) Die Wirtschaftskammer.
Eine “Ehrenvolle Erwähnung” gilt dem dritten im Bunde der Demonstrierenden, der Wirtschaftskammer, die natürlich gegen das Gesetz ist, welche Überraschung. Es müssen schon verdammt große Gastwirte an verdammt wichtigen Stellen in dem Verein sitzen; wo sonst käme diese lächerliche Übergangsfrist von drei Jahren her? Sogar Volksbefragungen werden ventiliert, zugegeben, nicht von der Wirtschaftskammer, aber die ist wahrscheinlich nicht abgeneigt. Sicher, mach’ ma, gleich nach der einen, na, sie wissen schon, die mit dem Titel “Steuererhöhungen gefällig?”

Aber, es ist gut zu wissen, daß sich die Wirtschaftskammer für die echten, die großen Sorgen und Nöte ihrer Mitglieder einsetzt. Und nicht für so irrelevante Kleinigkeiten wie zum Beispiel in Wien, wo jetzt alle Geschäftslokale barrierefrei werden müssen. Das betrifft ja eh nur jeden der irgendwo 5 m^2 oder mehr für seine Firma angemietet hat. Für die paar Hanseln braucht es auch keine Übergangsfrist, die schaffen das locker bis zum Anfang nächsten Jahres.

Frankenkredite

WirtschaftNach dem Wegfall der Kursbindung zwischen Schweizer Franken und Euro stehen alle jene, die einen Kredit in Franken laufen haben, mit mehr Schulden da als geplant. Auf die Frage, ob man den Betroffenen helfen könnte, antwortet unser Finanzminister Schelling mit einer klaren Absage und der Zusatzinfo, daß er nicht jene bestrafen wolle, die rechtzeitig ausgestiegen sind.

Das ist jetzt natürlich sehr unangenehm für ca. 150.000 Schuldner, die im schlimmsten Fall vor Mehrkosten von 30.000 Euro stehen – das ist kein Kleingeld, auch wenn das nicht alles Häuslbauer sind. Der Kiebitzer fühlt da mit, und kann den Schock und die Enttäuschung nachvollziehen.

Allerdings muß er Schelling recht geben. Fremdwährungskredite sind nun einmal eine Art Glücksspiel; geht es gut, freut man sich, verliert man, hat man Pech gehabt. Und ob man überhaupt spielen möchte bleibt immer noch jedem selbst überlassen. Nachdem der Staat da niemandem irgendwelche Pistolen an die Brust gesetzt hat, ist es dem Kiebitzer unverständlich wieso er jetzt helfend einspringen sollte. Schließlich wäre das nicht nur eine Bestrafung der rechtzeitig Ausgestiegenen, sondern eine jedes Steuerzahlers, der nicht um sein Geld spielt oder erst gar keinen Kredit hat. Vom Profit den diese Leute durch die Fremdwährungskredite hätten machen können, hätte der Staat ja auch nichts gesehen.

Da sollte man schon lieber jene Banken in die Pflicht nehmen, die solche Fremdwährungskredite überhaupt an Häuslbauer verkaufen. Währungsspekulationen können sehr lukrativ sein – wenn man einen genügend großen Zeithorizont hat und im Notfall sofort aussteigen kann. Und dann muß man den Markt immer noch gut beobachten – und ein bißchen Glück gehört immer noch dazu.

Im Endeffekt glaubt der Kiebitzer an die Eigenverantwortung des Einzelnen. Der Staat hat einen groben Rahmen zu schaffen, aber eine direkte Einmischung in Einzelschicksale ist weder möglich noch wünschenswert.

Zweiklassenarbeit

Das ominöse Gebilde “die Wirtschaft” hat einen neuen Vorstoß bezüglich der Ausweitung der maximalen Arbeitszeit getätigt. Nach dem Motto “darfs a bisserl mehr sein” strebt man eine Erhöhung auf 12h/Tag an, das sind 60 h/Woche. Begründet wird das mit dem Erhalt des Wirschaftsstandortes Österreich – was auch immer das genau heißen soll – und damit, daß das ja bloß eine Vorsorge für den absoluten Notfall sein soll.

Eh klar.

Der Kiebitzer, als Techniker, hat diesbezüglich keine einschlägige Erfahrung, aber irgendwann in den ganzen Jahren auf der WUNI muß doch in irgendeiner Vorlesung wenigstens einmal das Wort “Überstunden” gefallen sein, oder? Gut, das ist ein häßliches Wort, da müßte man den Leuten ja glatt mehr bezahlen, das täte dem Wirtschaftsstandort wahrscheinlich nicht so gut… Ein anderes Wort vielleicht, “Gleitzeit”? Sie verstehen, heute ein bissi mehr, dafür morgen ein bissi weniger? Ist nicht in allen Branchen machbar, auch klar. Die meisten gutbezahlten Jobs haben eh schon völlige Gleitzeit, und die paar Produktionsbetriebe die es in Österreich noch gibt, fahren im 3-Schicht Betrieb – da steigt die Produktivität auch dann nicht wenn man zwei Hanseln vor die gleiche Maschine stellt. Und 12 h Schichten wird die Gewerkschaft da nie im Leben zulassen.

Also, worum geht’s bei der Sache? Um den Handel natürlich. Da arbeiten lauter Frauen, notorisch schlecht ausgebildet, notorisch teilzeitbeschäftigt, notorisch unterbezahlt, notorisch auf der Suche nach mehr Einkommen. Die können weder anders, noch sich wehren, also kann man da die Daumenschrauben ruhig ein bißchen fester anziehen und die ordentlich schuften lassen.

Und jetzt ein kurzer Blick auf die andere Seite: Die EU hat sich gemeldet und besteht jetzt endlich ernsthaft darauf, die Wochenarbeitszeit für Spitalsärzte auf 48h zu senken, das sind ein bißchen mehr als 9,5 h/Tag.

Die Wogen gehen auf beiden Seiten hoch: Auf der einen will man – verständlicherweise – nicht noch mehr arbeiten, auf der anderen – verständlicherweise – nicht auf Einkommen verzichten.

Der Kiebitzer sitzt am Zaun dazwischen und wundert sich. Wieso kann man eine Seite immer mehr ausquetschen, und die andere gleichsam unter eine Schutzglocke stellen? Es ist durchaus klar, daß nach langer Arbeitszeit vermehrt Fehler auftreten, und daß es einen Unterschied macht, ob man nach 10 Stunden noch eine Magenoperation macht oder jemandem eine Leberkässemmel verkauft, Aber das alleine kann’s ja wohl nicht sein?

Der Vollständigkeit halber möchte der Kiebitzer anmerken, daß er noch nie eine Überstunde bezahlt bekommen hat. Sein erster Vertrag in Asien ging von einer Wochenarbeitszeit von 40 Stunden aus. Mindestens. Andererseits hat er völlige Gleitzeit – es stört niemanden wenn er um 3 Uhr geht, weder nachmittags, aber auch nicht nachts…